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Fast 100 Tote bei Selbstmordanschlag im Jemen

Blut auf der StraßeGroßansicht

Sanaa (dpa) - Verheerender Selbstmordanschlag im Zentrum von Sanaa: Mindestens 90 Soldaten starben, als sich am Montag in der jemenitischen Hauptstadt ein Attentäter in ihrer Mitte in die Luft sprengte. 200 weitere seien verletzt worden.

Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Saba unter Berufung auf Sicherheitskreise in Sanaa. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira sprach am Abend gar von 96 Toten. Präsident Abded Rabbo Mansur Hadi kündigte am Abend im Fernsehen an, den Terrorismus im Land «um jeden Preis» auszumerzen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilten den Anschlag auf das Schärfste.

«Diese Straftat kann durch nichts gerechtfertigt werden», hieß es am Montag in einer Mitteilung an den Vereinten Nationen in New York. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, so der UN-Chef.

«Wir werden nicht zulassen, dass der Terror siegt», sagte Westerwelle am Montag am Rande des Nato-Gipfels in Chicago. Die internationale Gemeinschaft stelle sich entschlossen gegen Versuche, den Aussöhnungsprozess im Jemen zu verhindern.

«Der Krieg gegen den Terrorismus wird fortgesetzt bis dieser ausgemerzt ist und vollständig verschwindet, koste es, was es wolle», sagte Jemens Staatschef in einer Fernsehansprache am Abend. Er wies die Regierung an, den Opfern des Anschlags jede nur mögliche Hilfe zu leisten.

Die Soldaten hatten an einer Probe für die Parade zum jemenitischen Nationalfeiertag an diesem Dienstag teilgenommen. Der Attentäter hatte an dem Aufmarsch auf einem Platz unweit des Präsidentenpalastes teilgenommen. Unter der Uniform hatte er den Sprengstoff versteckt.

Der anwesende Verteidigungsminister Mohammed Nasser Ahmed blieb unverletzt. Stunden später bekannte sich die Terrorgruppe Ansar al-Scharia zu der Bluttat, wie die jemenitische Webseite «Al-Taghier» berichtete. Die Gruppe ist eine Unterorganisation des Terrornetzes Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP). Zuletzt hatte das jemenitische Militär Erfolge bei der Bekämpfung der Al-Kaida in der südlichen Provinz Laudar verzeichnet, wo die Ansar al-Scharia aktiv ist.

Der Anschlag am Montag traf die Führung des Landes ins Mark. Die Parade, gegen deren Generalprobe sich der Angriff richtete, gilt dem 22. Mai, dem Jahrestag der Vereinigung des republikanischen Nordjemens mit dem sozialistischen Südjemen im Jahr 1990.

In diesem Jahr feiert das Land den Vereinigungstag erstmals ohne den Langzeit-Präsidenten Ali Abdullah Salih, der im vergangenen November nach monatelangen, zum Teil blutig unterdrücken Protesten von der Macht zurücktrat. Salih hatte seit 1978 über den Nordjemen und nach 1990 über das vereinigte Land geherrscht.

Zunächst war auch nicht klar, ob die Parade nach dem blutigen Anschlag wie geplant am Dienstag über die Bühne gehen würde. Den Plänen zufolge sollte sie der neue Präsident Abded Rabbo Mansur Hadi abnehmen. An ihn hatte Salih die Macht übergeben. Bei der Präsidentschaftswahl im Februar war er im Amt bestätigt worden.

Der Jemen ist das ärmste Land der arabischen Halbinsel. Auch nach dem Abgang Salihs gilt die Lage als äußerst instabil. Im Süden hat die AQAP mehrere Städte und Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. Zudem ist in diesem Teil des Landes eine militante Sezessionsbewegung aktiv. Rebellen der schiitischen Huthi-Sekte halten wiederum im Nordwesten einen jahrelangen Aufstand am Kochen.

Terrorismus / Jemen
21.05.2012 · 20:31 Uhr
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