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Familien der Opfer auf Utøya

Angehörige der Opfer gehen auf der Fjordinsel Utöya in Norwegen.Großansicht

Oslo (dpa) - Trauer auf der Insel Utøya: Vier Wochen nach den Anschlägen in Norwegen haben die Hinterbliebenen erstmals am Ort des Massakers ihrer Toten gedacht.

Von 69 direkt betroffenen Familien wollten am Freitag 50 die Insel Utøya besuchen, wo der Rechtsradikale Anders Behring Breivik am 22. Juli 69 Menschen getötet hatte.

Der geständige Attentäter, der bei einem Gerichtstermin am Freitag erneut seine extremen Ansichten über Immigration, Multikulturalismus und Islam kundtat, muss weitere vier Wochen in Einzelhaft bleiben. Breivik könne Beweise fälschen und die Polizei könne bis jetzt nicht ausschließen, dass er Mittäter hatte, urteilte der Vorsitzende Richter in Oslo.

Am 22. Juli hatte der Täter in der Innenstadt von Oslo eine Bombe gezündet und acht Menschen in den Tod gerissen. Anschließend richtete er auf der Fjordinsel Utøya ein Massaker unter jugendlichen Teilnehmern eines sozialdemokratischen Ferienlagers an. Breivik sitzt seit seiner Festnahme in Einzelhaft. Dort soll er nun bis zum 19. September bleiben; danach entscheidet das Gericht neu.

Die Trauernden wurden auf einer Fähre und mit einem Militärschiff auf die Insel gebracht. Mediziner, Polizisten und freiwillige Helfer vom Roten Kreuz standen den Familien zur Seite. Polizisten sollten erklären und zeigen, wo auf der Insel die Toten gefunden wurden. Die Medien waren nicht zugelassen.

Der Besuch soll den Familien helfen, den Verlust besser zu verarbeiten. «Ich glaube, dass der Besuch (den Trauernden) viel bedeutet. Sie können sehen, wo ihre Angehörigen ihre letzten Tage verbracht haben und wo sie gefunden wurden», sagte Gesundheitsministerin Anne-Grete Strøm-Erichsen dem Fernsehsender NRK.

Trond Henry Blattmann, Sprecher einer neugegründeten Unterstützergruppe für die Trauernden und selbst Vater eines getöteten Sohnes, sagte, er wolle sehen, wo sein Kind starb. «Der Besuch auf Utøya ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses», sagte er dem Sender NRK. «Wir wollten sehen, wo unser Sohn gefunden wurde, wir wollten wissen, ob er mit anderen aufgefunden wurde und seiner gedenken», fügte Blattmann hinzu.

In Norwegen begannen an diesem Freitag dreitägige Trauerfeiern. Am Samstag wollten auch die Überlebenden des Massakers auf die Insel Utøya zurückkehren, um die dramatischen Ereignisse zu verarbeiten. Am Sonntag ist eine Gedenkveranstaltung in Oslo geplant, zu der Vertreter der Regierung, des norwegischen Königshauses sowie Familien der Opfer, Überlebende und Rettungskräfte erwartet werden.

Das letzte der insgesamt 77 Opfer in Norwegen wurde am Donnerstag beerdigt.

Breivik sagte dem Richter zufolge in seiner kurzen Anhörung im Gerichtssaal, die Einzelhaft sei «langweilig und monoton» und grenze an Sadismus. Nach Angaben eines Anwalts, der einige Opfer vertritt, zeigte Breivik «keine Reue».

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Terrorismus / Norwegen
19.08.2011 · 21:29 Uhr
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