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«Falscher Rockefeller» muss vier Jahre in Haft

Der als «falscher Rockefeller» bekannte Deutsche Christian Karl Gerhartsreiter muss für mindestens vier Jahre in Haft.Großansicht
Washington (dpa) - Der als «falscher Rockefeller» bekannte Deutsche Christian Karl Gerhartsreiter muss wegen Kindesentführung für mindestens vier Jahre in Haft.

Eine Jury in Boston hatte den 48- jährigen am Freitag schuldig befunden, im Juli vergangenen Jahres seine eigene Tochter in einem Sorgerechtsstreit gekidnappt zu haben. Wegen des Vorwurfs, einen falschen Namen geführt zu haben, wurde der aus dem bayerischen Dorf Bergen stammende Mann nach Angaben der Zeitung «Boston Herald» allerdings freigesprochen.

Die Anwälte des Deutschen hatten auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert. Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft geltend gemacht, Gerhartsreiter habe die Tat über Monate geplant und daher ohne jeden Zweifel genau gewusst, was er tat. «Das ist ein faires und gerechtes Urteil», äußerte sich Staatsanwalt Daniel Conley nach dem Prozess. Von zwei Anklagen auf Körperverletzung verwarf die Jury eine. Sie befand Gerhartsreiter für schuldig, dass ein Sozialarbeiter bei der Entführung von seinem Fluchtauto mitgeschleift wurde.

Der Deutsche hatte sich viele Jahre als «Clark Rockefeller» ausgegeben und sich damit Zugang zu besseren gesellschaftlichen Kreisen in den USA verschafft. Schon davor hatte er sich eine Vielzahl falscher Identitäten zugelegt. Die amerikanischen Behörden waren ihm aber nicht wegen des falschen Namens auf die Spur gekommen, sondern wegen der Entführung seiner Tochter.

Während des Verfahrens hatte die Staatsanwaltschaft geltend gemacht, Gerhartsreiter habe «alle herausgefordert». Er habe nach dem Motto gehandelt «Fangt mich, wenn ihr könnt», sagte der Ankläger mit Blick auf den Blockbuster «Catch me if you can - Mein Leben auf der Flucht» mit Hollywoodstar Leonardo DiCaprio.

Die Verteidigung hingegen hatte ihren Mandanten als einen psychisch schwer gestörten Mann gezeichnet, «der nicht rund läuft». Er habe als Folge seiner Scheidung einen «perfekten Sturm» durchgemacht. Dieser habe zur Entführung der eigenen Tochter geführt. «Er war verrückt zu dieser Zeit», sagte Anwalt Jeffrey Denner.

Der Deutsche war 1978 als Schüler in die USA gekommen. Seitdem   lebte er nach Angaben der Behörden dort unter verschiedenen Namen. Seine erste Ehefrau hatte in dem Prozess geschildert, sie sei von ihm sofort völlig eingenommen gewesen. Er habe erzählt, er sei in einem reichen New Yorker Stadtteil aufgewachsen, habe als Kind nach einem Treppensturz vorübergehend sein Gedächtnis verloren und dann als Hochbegabter schon mit 14 an einem Ausbildungsprogramm der renommierten Yale-Universität teilgenommen habe. Außerdem habe der «falsche Rockefeller» erzählt, er habe geerbt und sei reich.

Prozesse / Kriminalität / USA
13.06.2009 · 09:50 Uhr
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