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Fallzahlen explodieren: «Die Pandemie ist angekommen»

Geschlossene SchuleGroßansicht
Berlin (dpa) - Mehrere hundert Deutsche erkranken täglich neu an der Schweinegrippe. Allein von Donnerstag auf Freitag vergangener Woche sei die Zahl registrierter Fälle um 500 auf rund 3400 hochgeschnellt, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, in Berlin.

Bis Freitag habe es damit innerhalb von drei Tagen 1500 neue Fälle gegeben. «Die Pandemie ist in der Tat angekommen, das neue Virus hat sich innerhalb von zwei Monaten über die ganze Welt verbreitet, so schnell ging das noch nie.»

Ein Viertel der Erkrankten in Deutschland habe sich im Land angesteckt. «Ein Großteil der Fälle geht zurück auf Reiserückkehrer aus Spanien», sagte Burger. Am stärksten betroffen seien Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. An immer mehr Schulen beginnen die Sommerferien wegen der Schweinegrippe ein paar Tage eher. Im baden-württembergischen Pfullingen wurde am Montag eine Realschule geschlossen, weil sich bei einer Klassenfahrt nach Großbritannien 13 Schüler angesteckt hatten. An einer Waldorfschule in Mannheim begannen die Ferien drei Tage früher, nachdem sich drei Schüler bei einer Reise nach Barcelona mit dem Virus infizierten. In Tübingen blieb eine Realschule zu. Dort war die Krankheit bei zwei Schülern nachgewiesen worden. Zeugnisse gibt es dort erst nach den Ferien.

In den USA sei mittlerweile die Rede von mehr als einer Million Fälle, erklärte Burger. «Die offiziellen Zahlen sind deutlich geringer.» Die Dunkelziffer sei aber sehr groß. In Großbritannien habe sich die Zahl registrierter Erkrankungen innerhalb einer Woche auf rund 100 000 verdoppelt. Weltweit sind nach Angaben der EU-Seuchenbehörde ECDC inzwischen mehr als 990 Menschen an der Krankheit gestorben.

Die Experten seien sich einig, dass es zum Winter hin mehr Fälle geben werde, betonte Burger. «Derzeit ist vor allem die Südhalbkugel betroffen, denn dort ist gerade Winter, also die eigentliche Influenzazeit.» Das Schweinegrippe-Virus habe dort das normale Influenza-Virus weitgehend verdrängt. «Unklar ist, ob das auch in Deutschland der Fall sein wird.» Mit einer normalen Grippe-Impfung könne man sich «eindeutig nicht» gegen das Schweinegrippen-Virus schützen, sagte Burger.

Zudem schütze eine Infektion mit dem derzeit umlaufenden Virus nicht vor einer vielleicht entstehenden aggressiveren Variante. «Es spricht alles dagegen, dass die jetzt eher milde Verlaufsform eine Immunität hinterlässt für das Virus, wenn es sich vielleicht verändert und besser an den Menschen angepasst hat», sagte Burger.

Vom Reisen riet Burger nur indirekt ab. «Das Virus ist überall, das muss den Reisenden bewusst sein.» Aus Israel etwa wurde am Montag gemeldet, das erstmals jemand im Land an der Schweinegrippe gestorben sei. Dem Gesundheitsministerium nach handelt es sich um einen 35 Jahre alten Mann, der am Samstag in einem Krankenhaus im Süden des Landes gestorben ist. Israelische Medien berichteten, der Mann sei übergewichtig und ein starker Raucher gewesen. Er habe nach der Ansteckung mit dem Schweinegrippe-Virus eine Lungenentzündung bekommen. Bislang wurden in Israel etwa 1500 Fälle von Schweinegrippe diagnostiziert.

http://www.wir-gegen-viren.de; http://www.rki.de/influenza

Gesundheit / Grippe
28.07.2009 · 22:46 Uhr
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