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F & A: Fluglotsen wollen streiken - Poker läuft

Fluglotsen im TowerGroßansicht

Die Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) wollen streiken - es wäre der erste Ausstand in ihrer Geschichte. Doch noch hat das Unternehmen nicht alle Trümpfe ausgespielt. Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet wichtige Fragen rund um einen möglichen Arbeitskampf.

Müssen sich die Sommerurlauber Sorgen machen, dass sie nicht in die Heimat zurückfliegen können?

Bislang nein. Noch hat die DFS die Möglichkeit, einseitig - also ohne vorherige Abstimmung mit der Gewerkschaft - die Schlichtung auszulösen. Die ist mit einer sofortigen Friedenspflicht verbunden, die einen Streik vier bis sechs Wochen verzögern würde. Die Gewerkschaft hat sich verpflichtet, Streikaktionen mindestens 24 Stunden vorher bekanntzugeben und zudem Not-Besatzungen zu stellen.

Sind die Fluglotsen überhaupt in der Lage, den Luftverkehr über Deutschland lahmzulegen?

Eindeutig ja. Die GdF beziffert ihren Organisationsgrad unter den rund 1900 DFS-Fluglotsen auf weit über 80 Prozent. Auch in den anderen Berufsgruppen für den unmittelbaren operativen Betrieb - Techniker und Flugdatenverarbeiter - sehe es ähnlich aus. Die DFS-Leute sitzen in vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands.

Was wären die Folgen eines Lotsenstreiks?

Je nach Streiktaktik müsste eine unterschiedliche Zahl von Flügen ausfallen. Ein Arbeitskampf könnte den Fluggesellschaften und den Flughäfen schnell Millionenverluste einbringen, die Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV bereits mit denen aus der Aschewolke von Island verglichen hat. Wegen der zentralen Lage Deutschlands würde zudem das gesamte europäische Luftverkehrssystem beeinträchtigt.

Dürfen Fluglotsen überhaupt streiken?

Die allermeisten schon, denn Beamte sind in der ehemaligen Bundesbehörde mit Hauptsitz in Langen bei Frankfurt inzwischen absolut in der Minderheit. Von den fast 6000 Beschäftigten des DFS-Stammpersonals waren laut Geschäftsbericht zum Jahreswechsel 5074 Angestellte. Von den rund 500 Beamten stammt jeweils eine Hälfte vom Luftfahrtbundesamt oder Bundeswehr. Sie könnten allein den zivilen Flugbetrieb nicht aufrechterhalten.

Gab es schon einmal Fluglotsenstreiks in Deutschland?

Seit der Umwandlung in eine privatrechtliche GmbH 1993 nicht wirklich. Lediglich im Jahr 2009 legten die Lotsen am Tower in Stuttgart die Arbeit nieder, um ihre Solidarität mit Kollegen auf dem Vorfeld zu demonstrieren. Der Konflikt war regional begrenzt. Harte Auseinandersetzungen gab es hingegen zu Beginn der 70er-Jahre, als die verbeamteten deutschen Fluglotsen ihre karge Besoldung mit den Einkünften der Kollegen etwa in den USA verglichen. In zwei Wellen gingen die Staatsdiener in den sogenannten «Bummelstreik» und machten «Dienst nach Vorschrift», ohne dass sich zunächst etwas änderte. Bei der rechtlichen Umwandlung 1993 kündigten mehr als 90 Prozent der Lotsen ihr Beamtenverhältnis.

Um was geht es in dem Tarifkonflikt eigentlich?

Am wenigsten ums liebe Geld, von dem die Fluglotsen ohnehin reichlich haben. Die GdF will nach eigenen Angaben den Einfluss der hochqualifizierten Lotsen im Unternehmen sichern. Da gleichzeitig Nachwuchs knapp ist, ergeben sich daraus zunehmende Probleme bei der geplanten Expansion des Unternehmens. Für die DFS drängend ist zudem die Personalknappheit - es fehlen laut Unternehmen rund 500 Lotsen. Sie will daher mehr Überstunden von ihren Leuten verlangen, was die Gewerkschaft strikt ablehnt und als Druckmittel benutzt.

Was verdient ein Fluglotse und wieviel muss er dafür arbeiten?

Ohne Frage haben Lotsen eine Riesenverantwortung. Ein falscher Handgriff oder ein Flüchtigkeitsfehler kann Hunderte Menschen in Lebensgefahr bringen. Die Ausbildung der Lotsen dauert - samt der Auswahlphase - etwa vier Jahre. Danach verdienen sie im Vergleich zu anderen Berufsgruppen geradezu fürstlich. Nach DFS-Angaben startet ein junger Lotse am Frankfurter Flughafen - nach Abitur und Ausbildung ist er dann Anfang bis Mitte 20 - knapp 90 000 Euro Grundgehalt. Hinzu kommen etliche Zulagen. Laut Arbeitgeberseite verdient mehr als die Hälfte der 1900 DFS-Fluglotsen schon im Grundgehalt sechsstellig. Laut DFS kommen die Lotsen auf gut 1000 Arbeitsstunden im Jahr im Gegensatz zum üblichen Angestelltenschnitt von 1840 Stunden.

Luftverkehr
03.08.2011 · 23:09 Uhr
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