News
 

Extremisten halten Athen in Atem - Spur nach Berlin?

Athen (dpa) - Während sich die ganze Welt vor den erschreckend professionell gefertigten Paketbomben der Al-Kaida fürchtet, machen griechische Autonome mit Brandsätzen Marke Eigenbau von sich reden.

In den vergangenen Tagen verschickten sie per Post Brandsätze an ausländische Botschaften in Athen und sorgen damit international für Schlagzeilen. Wie es scheint, hat eines der brandgefährlichen Päckchen jetzt den Weg ins Berliner Kanzleramt gefunden. Der offensichtlich fingierte Absender «griechisches Wirtschaftsministerium» und der Inhalt des Pakets legen dies nahe.

In Athen haben die Autonomen seit Montag gleich mehrfach zugeschlagen und versetzen die Polizei auf diese Weise in ständigen Alarmzustand. «Es hagelt Brandsätze hier», schreit ein Polizist am Dienstag in das Mikrofon seines Funkgerätes im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Ziele der Briefe und Päckchen mit Brandsätzen waren die Botschaften der Schweiz, Russlands, Bulgariens, der Niederlande und Mexikos. Einige konnte die Polizei entschärfen, bevor sie ihre Adressaten erreichten. Eine Sendung war auch für die deutsche Botschaft bestimmt.

In die Vertretung der Schweiz kam das verdächtige Paket am Dienstag in den Mittagsstunden per Kurierdienst. Als die Mitarbeiter vorsichtig die Verpackung öffneten, schoss eine Stichflamme daraus hervor. Verletzt wurde niemand. Allein am Dienstag entschärfte die Polizei ähnliche Brandsatz-Päckchen, die an die bulgarische und die russische Botschaft adressiert waren. In den Botschaften wurde bislang niemand verletzt. Dagegen verbrannte sich am Montag eine Angestellte eines Kurierdienstes die Finger, als sie ein verdächtiges Paket beiseiteschob und sich das darin enthaltene Pulver entzündete. Adressat war in diesem Fall die Botschaft Mexikos.

Was die Verschicker bezwecken - wenn es ihnen um mehr gehen sollte, als nur internationale Aufmerksamkeit zu erregen - ist bis dato unklar. Zwei Verdächtige gingen der Athener Polizei ins Netz. Mit Perücken und Handschuhen ausgestattet, hatten sie am Montag zwei Brandsatz-Pakete bei zwei Kurierfirmen aufgegeben. «Sie waren sehr nervös und haben nicht einmal die Quittung mitgenommen», sagte ein Angestellter im Radio. Er hatte die Polizei benachrichtigt.

Eine Polizeistreife entdeckte die beiden mutmaßlichen Täter und nahm sie fest. Zwei Sendungen trugen sie noch bei sich - eine war an die belgische Botschaft, die andere an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy adressiert. «Sie agierten wie Anfänger», resümierte ein Polizeisprecher.

Die beiden sollen Mitglieder der Autonomen Untergrundorganisation «Konspiration der Zellen des Feuers» sein. Die Gruppe macht schon seit drei Jahren mit Bombenanschlägen auf Banken und Regierungsgebäude sowie Filialen ausländischer Firmen auf sich aufmerksam. Auf die ihr eigene Weise «kommentiert» sie damit die Wirtschaftspolitik der griechischen Regierung.

Die Polizei nimmt die Autonomen durchaus ernst: «Dilettanten und Anfänger oder nicht, ihnen ist es gelungen, Athen auf den Kopf zu stellen und den Eindruck zu erwecken, in der griechischen Hauptstadt herrsche Chaos», sagte ein erfahrener Polizist der Nachrichtenagentur dpa. Die Zahl der Mitglieder der «Konspiration Zellen des Feuers» und anderer gleichgesinnter anarchistischer Gruppierungen gehe in die Dutzende. «Die Zahl der Anschläge ist äußerst beunruhigend», sagte der Polizist.

Terrorismus / Griechenland / Deutschland
02.11.2010 · 22:04 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen