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«Extrem mieses Buch»: Hitlers «Mein Kampf» am Kiosk?

«Mein Kampf»Großansicht

München/Hamburg (dpa) - Skandal oder Aufklärung? Ein britischer Verleger plant die Veröffentlichung von kommentierten Auszügen aus Hitlers Hetzschrift «Mein Kampf». Das bayerische Finanzministerium prüft juristische Schritte.

Der britische Verleger Peter McGee, der mit den «Zeitungszeugen» kommentierte Nachdrucke von Zeitungen aus der Nazi-Zeit auf den Markt bringt, will der Ausgabe vom 26. Januar und zwei folgenden Ausgaben jeweils eine 15-seitige Broschüre beilegen. McGees Sprecher Alexander Luckow, der selbst am «Zeitungszeugen»-Projekt mitarbeitet, bestätigte am Montag in Hamburg einen entsprechenden Bericht des «Spiegel». Das Bayerische Finanzministerium, das die Urheberrechte an «Mein Kampf» hält, kündigte am Montag an, juristische Schritte gegen das Vorhaben zu prüfen.

Die drei beigelegten Booklets beschäftigen sich thematisch mit der Autobiografie Hitlers, mit der Propaganda und seiner Ideologie. Sie sollen in einer Auflage von 100 000 Stück erscheinen. Auf der rechten Seite soll der Originaltext stehen, auf der linken der entsprechende Kommentar. Sollte sich «Mein Kampf» als Beilage in den «Zeitungszeugen» als Verkaufsschlager herausstellen, seien weitere Ausgaben mit kommentierten Auszügen möglich, sagte Luckow und betonte: «Die Sprache ist in weiten Teilen wirklich abstoßend.»

Sein Chef McGee hatte dem «Spiegel» gesagt: «"Mein Kampf" ist ein extrem mieses Buch» und gefordert: «Es ist längst überfällig, dass eine breite Öffentlichkeit die Möglichkeit bekommt, sich mit dem Originaltext auseinanderzusetzen.»

Im Jahr 2015 laufen die Urheberrechte an «Mein Kampf» aus, bis dahin liegen sie beim Bayerischen Finanzministerium. «Das Bayerische Finanzministerium prüft derzeit juristische Schritte, um gegen eine Veröffentlichung vorzugehen, die sich nicht im Rahmen der Kleinzitatsregelung nach Paragraf 51 Nr. 2 Urhebergesetz hält», hieß es in einer Mitteilung.

Auf die Zitatsregelung nämlich beziehen sich die Macher der «Zeitungszeugen». «Sie können aus historischen Dokumenten zitieren, ohne das Urheberrecht zu verletzen», betonte Luckow. «Das Urheberrecht bezieht sich auf die Veröffentlichung des Gesamtwerkes. Das nachzudrucken haben wir keinesfalls die Absicht.»

Bereits im Jahr 2009 war Bayern gegen die Veröffentlichung der Nachdrucke von Nazi-Hetzblättern vor Gericht gezogen und hatte in zwei Instanzen verloren. Zuvor hatte das Finanzministerium im Januar 2009 die zweite Ausgabe der «Zeitungszeugen» beschlagnahmen lassen, der Nachdrucke der Nazi-Zeitungen «Völkischer Beobachter» und «Der Angriff» von 1933 beilagen.

«Unser Projekt ist fern des Verdachts, ein rechtsideologisches Produkt zu sein», betonte Luckow. In der «Zeitungszeugen»-Redaktion arbeiten unter anderem die renommierten Historiker Hans Mommsen und Sönke Neitzel sowie der emeritierte Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin, Wolfgang Benz, mit. Neben Nazi-Hetzblättern veröffentlicht die Redaktion auch andere Blätter aus der Zeit wie die SPD-Zeitung «Vorwärts».

Für die Zeit nach 2015 plant auch das Institut für Zeitgeschichte in München die Veröffentlichung einer kommentierten «Mein Kampf»-Ausgabe. 2010 haben die Arbeiten daran begonnen, die Historiker haben für das Projekt zwei bis vier Jahre angesetzt.

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Geschichte / Nationalsozialismus / Medien
16.01.2012 · 16:25 Uhr
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