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Experten untersuchen Unglücksfähre «Lisco Gloria»

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Kopenhagen/Kiel/Berlin (dpa) - Das Feuer auf der Fähre «Lisco Gloria» ist endlich gelöscht. Nun sind Spezialisten an Bord, um Abpumparbeiten vorzubereiten. Die Reederei sucht nach einem Ersatzschiff für die stark befahrene Route.

Nach dem Brand haben am Montag die Aufräumarbeiten begonnen. Erstmals konnten Lösch- und Bergungsexperten direkt auf dem Wrack ihre Arbeit aufnehmen. Die Temperatur auf dem südlich der Insel Langeland ankernden Schiff kühlte soweit ab, dass drei Spezialisten an Bord gehen konnten, wie die dänische Seenotrettungszentrale mitteilte. Die Reederei DFDS sucht fieberhaft nach einem Ersatzschiff, da die Route nach Klaipeda in Litauen eine der wichtigsten für das Unternehmen ist. Die Wasserschutzpolizei in Kiel hat die Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen.

Das 200 Meter lange Schiff aus Litauen mit 236 Menschen an Bord war in der Nacht zum Samstag nördlich von Fehmarn in Brand geraten. 28 Menschen wurden verletzt. Bis auf einen wurden bereits alle wieder aus dem Krankenhaus entlassen, sagte der Deutschland-Geschäftsführer der dänischen Reederei DFDS, Heikki Tapionlinna in Kiel. Der Patient müsse noch einige Tage im Krankenhaus verbringen. Die letzten elf Passagiere, die noch in Deutschland waren, wurden am Sonntagabend nach Palanga in Litauen geflogen.

Die «Lisco Gloria» war auf dem Weg von Kiel nach Klaipeda, als es zu einer Explosion kam. Als wahrscheinlichste Unglücksursache gilt ein defektes Aggregat an einem Lastwagen. Die Wasserschutzpolizei in Kiel ermittelt. Der Unfall sei im deutschen Zuständigkeitsbereich passiert, daher habe die deutsche Wasserschutzpolizei übernommen, sagte Behördenleiter Uwe Marxen. In enger Abstimmung unter anderem mit der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg werde jetzt nach der genauen Unfallursache geforscht. Da das Schiff unter litauischer Flagge fuhr, arbeite die BSU eng mit den dortigen Behörden zusammen. Die Federführung habe aber die Bundesstelle übernommen, sagte BSU-Direktor Jörg Kaufmann. Auch mit den dänischen Kollegen stehe man in Kontakt.

Die drei Spezialisten der niederländischen Bergungsfirma Smit, die seit Montag auf dem Wrack arbeiten, sollen zunächst kleine Restbrände löschen. Danach besteht ihre wichtigste Aufgabe darin, das Abpumpen von Löschwasser aus den unteren Decks und dem Autodeck vorzubereiten.

Anschließend soll das Schiff in einen Hafen geschleppt werden, um Schäden begutachten zu können. Dies könne allerdings noch ein paar Tage dauern, sagte Reedereisprecher Gert Jakobsen in Kopenhagen. Um welchen Hafen es sich handelt, stehe noch nicht fest.

Nach dem Brand sucht die Reederei jetzt ein Ersatzschiff, weil die Route nach Klaipeda eine der wichtigsten Verbindungen sei. Zieltermin sei dieser Donnerstag, sagte Jakobsen. «Es gibt nicht viele große Schiffe, die ostseetauglich sind und unserer Passagier- und Frachtkapazität gerecht werden», sagte Tapionlinna.

Das Bundesverkehrsministerium will zunächst die Untersuchungen zum Fährunglück abwarten, bevor über Konsequenzen nachgedacht werde. Dies sagte eine Ministeriumssprecherin in Berlin. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) werde sich ausdrücklich noch beim Havariekommando in Cuxhaven bedanken, das die nächtliche Rettungsaktion «hervorragend» koordiniert habe.

DFDS-Sprecher Jakobsen lobte die Arbeit der Besatzung und der Einsatzkräfte. Auf die Frage, ob nicht gleich der Anker hätte gesetzt werden müssen, um zu verhindern, dass das Schiff als brennende Fackel führerlos auf der Ostsee treibt, sagte er: «In allererster Linie geht es darum, die Passagiere zu retten, und darauf hat sich die Besatzung konzentriert.»

Unfälle / Schifffahrt
11.10.2010 · 16:19 Uhr
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