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Experten rechnen mit zweiter Schweinegrippe-Welle

In Schulen, zu Hause und unterwegs kann sorgfältiges Händewaschen einer Schweinegrippe-Infektion vorbeugen.Großansicht
Berlin (dpa) - Trotz sinkender Schweinegrippe-Fälle in Deutschland gibt das Robert Koch-Institut (RKI) keine Entwarnung. Eine zweite Welle der Neuen Grippe im Winter sei wahrscheinlich, sagte RKI-Vizepräsident Reinhard Burger am Mittwoch.

Darauf sollte das Land vorbereitet sein. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hält den Impfstoff gegen Schweinegrippe, der inzwischen an mehreren hundert Menschen in Deutschland getestet wurde, auch für Schwangere geeignet. Sie gelten bei der Neuen Grippe als Risikogruppe. Ernsthafte Probleme seien bei den Tests bisher nicht aufgetreten, sagte PEI-Präsident Johannes Löwer. An Schwangeren wird der Impfstoff nicht getestet.

Seit Mitte Juni sind in Deutschland etwa 15 000 Fälle von Schweinegrippe nachgewiesen worden. Mitte August gingen die Erkrankungsraten erstmals zurück - auf rund 2000 Neuinfektionen pro Woche. In den Wochen zuvor waren die Fall-Zahlen auf mehr als 2800 Fälle angestiegen. Viele Patienten brachten sich die Neue Grippe aus dem Urlaub mit, häufig aus Spanien. Besonders viele Fälle gab es in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

«Es ist erfreulich, dass die Zahlen nun fallen. Wir sind aber nicht sicher, ob sich dieser Trend fortsetzt», sagte Burger. Das könne ein «vorübergehendes Tal» bis zum Beginn des Winters sein. Für Experten positiv ist darüber hinaus, dass sich das Erbgut des Virus bisher nicht verändert hat. Die entwickelten Impfstoffe, die in Deutschland Ende September freigegeben werden sollen, können so gut wirken.

Auch wenn in Deutschland bisher kein Patient an der Schweinegrippe gestorben ist, warnt Burger vor einer Verharmlosung der Infektion. Auch bei Gesunden sei die Krankheit manchmal schwer verlaufen - bis hin zur Einweisung auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Besonders anfällig für das Virus seien in Deutschland bisher Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 19 Jahren, sagte Burger.

PEI-Präsident Löwer betonte, dass dem Schweinegrippe-Impfstoff zur besseren Wirksamkeit allein natürliche Stoffe wie Vitamin E, Polysorbat aus Getreide und Squalen aus Fisch- oder Olivenöl beigemischt wurden. Nur Thiomersal, das ein Bakterienwachstum in Mehrfachdosen verhindern soll, enthalte Quecksilber. Die Dosis liege mit 12,5 Mikrogramm aber weit unter dem Grenzwert von 96 Mikrogramm pro Woche. Er persönlich könne diesen Impfstoff auch Schwangeren empfehlen, sagte Löwer.

In der Europäischen Union sind bisher 60 Menschen durch das Schweinegrippe-Virus gestorben, allein 44 in Großbritannien. Weltweit gab es etwa 2500 Todesfälle. Viele Patienten hatten allerdings vorher Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma, Herz-Kreislauf-Probleme oder großes Übergewicht. Prognosen über Todesopfer und Klinik-Einweisungen wie die USA will das RKI nicht machen. Die Folgen einer weiteren Virusausbreitung seien zu schwer zu kalkulieren.

Im Alltag können sich Menschen durch häufiges Händewaschen vor dem Virus schützen. Anhusten und Anniesen sollte vermieden werden, da sich das Virus über winzige Tröpfchen in der Luft von Mensch zu Mensch verbreitet.

www.rki.de/influenza

Gesundheit / Grippe
26.08.2009 · 21:32 Uhr
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