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Experten: Debatte hilft Missbrauchsopfern wenig

Berlin (dpa) - Nach Einschätzung von Opfervereinen hilft die politische Debatte über sexuellen Missbrauch den Opfern bisher nur wenig.

«Missbrauch geschieht immer in der dunkelsten Kammer, da kommt auch keine Ministerin hin, die irgendwo an einem Runden Tisch sitzt», sagte Cornelia Hamm, die als Heilpraktikerin den Berlin Opferverein «El Faro» berät, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

An diesem Freitag kommen erstmals Vertreter von Politik, Wohlfahrtsverbänden, Internatsträger sowie Lehrer und Ärzte in Berlin zu einem Runden Tisch der Regierung über Kindesmissbrauch zusammen. Hamm zufolge sollte es dabei nicht nur um den Missbrauch an Schulen, in kirchlichen Einrichtungen oder in Sportvereinen gehen. Auch der Missbrauch in den Familien müsste offen angesprochen werden.

Nach Erfahrungen der Expertin wiederhole sich für Kinder der Missbrauch, den sie schon in der Familie erlebten, später in Schulen oder Heimen. «Leider spüren die Autoritäten solcher Institutionen, bei welchem Kind sie den Missbrauch fortsetzen können, ohne Gefahr zu laufen, dass sich das Kind wehrt.»

Auch der Berliner Verein «Tauwetter», der sich um männliche Opfer von sexueller Gewalt kümmert, bezweifelt, dass die Diskussionen auf politischer Ebene langfristig Abhilfe schaffen: «Momentan gibt die Politik den Betroffenen lediglich die Möglichkeit, ihr Opferdasein aufzuarbeiten», sagt Traumafachberater Thomas Schlingmann.

Eine gesellschaftliche Verantwortung, die Opfer mit einzubeziehen, werde derzeit aber verweigert. Schlingmann übte Kritik an der Zusammensetzung des Runden Tisches: Das Ziel sollte Prävention sein, aber unter den Teilnehmern fehlten Experten, die Präventionsarbeit leisten.

Er rief die Politik dazu auf, sich für mehr Transparenz an den Institutionen stark zu machen. «Es würde helfen, wenn Institutionen so etwas wie einen Beschwerdemanager einrichten würden, damit die Kinder einen unabhängigen Ansprechpartner haben, wenn etwas passiert», sagte Schlingmann.

Tauwetter: www.tauwetter.de

El Faro: www.elfaro.de

Kriminalität / Kirchen / Missbrauch / Berlin
23.04.2010 · 10:28 Uhr
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