News
 

Experten beklagen Afrika-Bild in WM-Berichten

Münster (dpa) - Schauermärchen über okkulte Rituale kennzeichnen nach Ansicht von Ethnologen den Blick auf Afrika in der WM-Berichterstattung. Die Medien zeichneten ein einseitiges Bild, das auf effektheischende Exotik ausgerichtet sei, kritisieren die Experten Barbara Meier und Arne Steinforth von der Universität Münster.

«Ein Großteil der aktuellen Berichterstattung (...) fertigt einen ganzen Kontinent als irrational, archaisch und abstoßend ab und bestätigt damit Vorurteile», beklagen die Wissenschaftler in einem Online-Artikel für den Uni-Exzellenzcluster «Religion und Politik».

Mit «effektheischenden Ausschmückungen» und einem Fokus auf Ritualgegenstände wie Knochen und Trommeln würden Opferrituale und Wahrsagesitzungen beschrieben, ohne sie in den kulturellen Zusammenhang zu setzen, heißt es im Artikel weiter. Der sensationelle Charakter der Rituale liege aber allein in den Augen der europäischen Betrachter. «Aus Religion und Alltag der Menschen im südlichen Afrika sind die Wahrsager, Männer wie Frauen, nicht wegzudenken.» Bei Ritualen im Fußball gehe es dabei selten um Schadenszauber gegen den Gegner, sondern um spirituelle Unterstützung der Mannschaft.

Meier und Steinforth betonen in ihrem Beitrag auch, die Idee übernatürlicher Hilfe für fußballerischen Erfolg sei beileibe keine afrikanische Besonderheit. Das gebe es auch in Deutschland: «Spieler berühren beim Einlaufen ins Stadion aus offenbar unerfindlichen Gründen die Seitenauslinie, ihre Brust oder ihre Stirn, Trainer tragen wochenlang rätselhafte Glückskrawatten, Fußballvereine richten christliche Kapellen und eigene Friedhöfe für Fans ein.»

http://dpaq.de/1VHhK

Fußball / WM / Medien / Religion
11.06.2010 · 23:23 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

 

Weitere Themen