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Experte: Zähe Flüssigkeit drängt Öl zurück

Matthias Reich, Professor für Tiefbohrtechnik. (Archivbild)Großansicht

Berlin (dpa) - Mit einem speziellen Manöver namens «Static Kill» will BP das Leck endgültig verschließen. Der Direktor des Institutes für Bohrtechnik und Fluidbergbau an der TU Bergakademie Freiberg, Professor Matthias Reich, erklärt das Verfahren in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wie soll das Bohrloch verschlossen werden?

Reich: «Um ein Bohrloch richtig zu verschließen, muss der Druck vom Bohrlochkopf genommen werden. Man muss irgendetwas in das Bohrloch bringen, das einen Gegendruck zu dem nach oben drückenden Öl erzeugt. Und das ist eine schwere Bohrspülung.»

Was ist eine schwere Bohrspülung?

Reich: «In den Medien wird immer von Schlamm gesprochen. Aber Bohrspülung ist eine sehr komplexe Flüssigkeit, die von Experten im Labor zusammengestellt wird. Sie ist zähflüssig und in diesem Fall sehr schwer. Diese Spülung will man von oben durch den Deckel in die Bohrung bringen. Je mehr von dieser schweren Spülung in das Bohrloch gepumpt werden kann, desto stärker drückt diese Bohrspülung nach unten und schiebt das Öl schließlich zurück in seine Lagerstätte.»

Wie kommt die Bohrspülung in das Loch?

Reich: «Von einem Schiff werden Leitungen bis an den sogenannten Blowout-Preventer verlegt. Das ist die Verschlusskappe, die jetzt auf dem Bohrloch sitzt. Es ist eine sehr komplizierte Kappe - ein komplexes System aus Ventilen, Zu- und Abgängen. Die Leitungen werden von Unterwasserrobotern installiert und dann kann mit den Pumparbeiten begonnen werden.»

Auch Zement soll in das Bohrloch gepumpt werden, oder?

Reich: «Wenn in der Bohrung die schwere Spülung nach unten und in der Lagerstätte das Öl nach oben drückt und alles genau ausbalanciert ist, dann fließt nichts mehr. Dann kann man gezielt Zement in die Bohrung pumpen und er bleibt am Ausgang der Lagerstätte. Dort kann er aushärten und dann ist die Lagerstätte wieder versiegelt. Dann ist das Öl wieder da eingesperrt, wo es auch Millionen Jahre vorher sicher eingeschlossen war, nämlich in seiner Lagerstätte.»

In einem zweiten Schritt soll das Leck von unten verschlossen werden?

Reich: «Vor wenigen Wochen war noch nicht klar, ob das Bohrloch mit einem Deckel verschlossen werden kann. Deswegen wurde Anfang Mai mit einer Entlastungsbohrung begonnen, damit von unten Bohrspülung eingepumpt werden kann. Es ist leichter, die Spülung unten einzubringen, denn die Flüssigkeit wird mit dem aufsteigenden Öl nach oben gerissen und so füllt sich der Kanal mit Bohrspülung. Inzwischen hat man aber oben einen Deckel, so dass nun beide Möglichkeiten gleichzeitig bestehen.»

Umwelt / USA
03.08.2010 · 08:45 Uhr
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