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Experte: Wikileaks-Dokumente schaden in Korea-Krise

Nordkoreanische RaketenGroßansicht

Seoul (dpa) - Wikileaks hat mit der Enthüllung geheimer Depeschen zu Nordkorea nach Meinung eines deutschen Experten einen «Scherbenhaufen» angerichtet.

«Es sind vor allem Äußerungen von chinesischer Seite, die durch Wikileaks publiziert wurden, die in Nordkorea für viel Aufsehen sorgen werden», sagte der Projektleiter von der Friedrich-Naumann-Stiftung für Korea, Walter Klitz, der Nachrichtenagentur dpa in Seoul. Es gehe dabei vor allem um die Feststellung eines hochrangigen chinesischen Beamten, der das nordkoreanische Regime mit einem verzogenen Kind verglichen habe oder die Spekulation, ob das Regime eine Überlebenschance habe, wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il sterbe.

Gerade in der jetzigen angespannten Situation sei die Enthüllung der diplomatischen Dokumente wenig hilfreich. «Es dient nicht dem Annäherungsprozess zwischen Süd- und Nordkorea, der wünschenswert ist», sagte Klitz. Das weitgehend isolierte Nordkorea könne sich dadurch in der eigenen Politik bestätigt fühlen. «Nordkorea sieht sich ja ständig provoziert und sieht sich subjektiv ständigen Konfrontationen ausgesetzt», sagte Klitz.

In den Depeschen von US-Diplomaten wird der chinesische Vizeaußenminister He Yafei nach einem nordkoreanischen Raketentest im April 2009 mit den Worten zitiert, Nordkorea wolle direkte Gespräche mit den USA und benehme sich wie ein «verzogenes Kind, um die Aufmerksamkeit des Erwachsenen» zu bekommen. In anderen Dokumenten heißt es aus südkoreanischen Quellen, China wäre bereit, ein wiedervereinigtes Korea unter Südkoreas Kontrolle zu akzeptieren. Die Enthüllungen erfolgten eine Woche nach dem militärischen Angriff Nordkoras auf eine südkoreanische Insel im Gelben Meer.

«Das ist verheerend, aus vertraulichen Gesprächen zwischen China und den USA in den Zeitungen zu lesen», glaubt Klitz. Es müssten jedoch vertrauliche Gespräche zwischen Diplomaten möglich sein. «Das hat aber auch eine politische Dimension, weil jetzt Informationen für Leute zugänglich gemacht worden sind, die sie in die Politik einfließen lassen - und das nicht im positiven Sinne», befürchtet Klitz. Das könnte Wasser auf den Mühlen der nordkoreanischen Machthaber sein. «Sie könnten daraus ableiten, dass China und die USA andere Absichten haben.» Es könne jetzt passieren, dass Pjöngjang sagt: «Wir haben kein Interesse mehr an Gesprächen.»

Konflikte / Südkorea / Nordkorea / China
30.11.2010 · 13:03 Uhr
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