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Experte warnt vor alten Sicherheitsstandards

Professor Frank Scherbaum vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam.Großansicht

Potsdam (dpa) - Die Gefährdungsanalysen für deutsche Atomkraftwerke müssen nach Ansicht des Potsdamer Seismologen Professor Frank Scherbaum komplett neu überdacht werden.

Die Zeit der Abschaltung für die sieben ältesten Kraftwerke sollte auch für eine Überprüfung der Auslegungskriterien der Kraftwerke genutzt werden. «Es ist fraglich, ob die Methodik aus den 1970-er Jahren dem heutigen Wissensstand entspricht», sagte der Wissenschaftler vom Institut für Erd- und Umweltwissenschaften der Universität Potsdam der Nachrichtenagentur dpa.

Scherbaum, der international als Experte an mehreren Lizenzierungsverfahren für Atomkraftwerke beteiligt ist und auch deutsche Ministerien in diesen Fragen beraten hat, stellte klar: «Es besteht kein Grund zur Panik aber die Frage der Erdbebensicherheit muss auch in Deutschland neu aufgerollt werden.» Da gebe es methodischen Nachholbedarf. «In den vergangenen Jahren hat sich Zögerlichkeit breitgemacht. Man befürchtet möglicherweise unangenehme Überraschungen», sagte Scherbaum.

Der Potsdamer Experte empfahl dringend modernere Herangehensweisen, wie sie in der Schweiz oder den USA bereits üblich seien. Bislang werde in Deutschland versucht, den vermeintlich schlimmsten Fall abzudecken. «Doch das zu schaffen ist eine Illusion», sagte er. «In Japan war ein Tsunami in der Stärke schlicht für unmöglich gehalten worden», sagte er.

«Man darf nicht von vornherein sagen, ein Ereignis wird nicht eintreten, weil es unwahrscheinlich ist», ergänzte der Potsdamer Wissenschaftler. «Wenn man nur betrachtet, was es in der Vergangenheit für Bodenbewegungen gegeben hat und dann einfach einen Sicherheitszuschlag drauflegt, kann man unangenehme Überraschungen erleben», erklärte er. «Die Natur weiß nämlich nichts von dieser Grenze und produziert auch Ereignisse, die weit größer sind.»

Der Experte appellierte, nun die richtigen Fragen zu stellen. Eine Magnitude von 9 oder ein Tsunami wie in Japan seien völlig irrelevant für diese Breiten. «Unsere Kraftwerke müssen so ausgelegt werden, dass sie für seismische Bewegungen in unseren Regionen bemessen sind.»

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Uni Potsdam
Atom / Deutschland
17.03.2011 · 08:31 Uhr
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