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Experte: Suche in gekentertem Schiff schwierig

Cuxhaven (dpa) - Im Bauch des gekenterten italienischen Kreuzfahrtschiffes «Costa Concordia» haben Rettungskräfte Überlebende ausgemacht.

Mehr als 24 Stunden nach der spektakulären Havarie des Kreuzfahrtschiffes vor der toskanischen Küste haben Rettungskräfte ein frisch vermähltes Paar aus Korea aus einer Kabine im Rumpf des Schiffes geholt. Der Leiter des Havariekommandos in Cuxhaven, Hans-Werner Monsees, beschreibt die Arbeit der Retter als schwierig und gefährlich.

Wo sehen Sie die großen Schwierigkeiten bei den Rettungsarbeiten?

Monsees: «Die Rettungskräfte kommen alle von Land, sie müssen sich in die Gegebenheiten des Schiffs erstmal eingewöhnen, das heißt Wege finden auf dem Schiff. Das ist natürlich durch die Seitenlage - eine 80-Grad-Schräglage - erheblich erschwert. Man muss sich vorstellen, das Schiff ist wie eine Kleinstadt über viele Decks, und sich da zurechtzufinden ist schon in der Normalsituation - wenn ich den Schiffsplan vor mir liegen habe - schwierig. Außerdem sind da jetzt Hindernisse.»

Was zählt zu den größten Blockaden?

Monsees: «Beim Kentern eines Schiffes gehen automatisch einige Schotten zu, so dass also auch Wege versperrt sind, die möglicherweise für die Rettung wichtig sind. Zum Beispiel sind Schotten im Maschinenraum, die sich automatisch bei Wassereinbruch schließen. Es könnte auch sein, dass von den Besatzungen Gänge zugesperrt worden sind, um das weitere Eindringen von Wasser zu verhindern oder auch zu verhindern, dass Passagiere in einen Bereich laufen, der eigentlich schon geräumt ist.»

Gibt es Alternativen zur Suche im Innern des Schiffes?

Monsees: «Vielleicht hat man schon festgestellt, dass manche Wege so verstellt oder versperrt sind, dass man nicht durchkommt. Und dann sucht man natürlich Alternativen. Und da ist es ganz normal, dass man von der Außenhaut günstige Einstiegsmöglichkeiten sucht und dann auch aufschweißt, wenn der Weg dadurch verkürzt werden kann, bevor man auf einer langen Strecke Hindernisse überwinden muss und das unheimlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Das ist das Indiz, dass die Kräfte schon sehr zielgerichtet suchen im Moment.»

Was macht die Arbeiten im havarierten Schiff so gefährlich?

Monsees: «Das Schiff soll nicht stabil liegen. Es kann natürlich auch sein, dass Luftblasen sich auflösen, und dadurch das Schiff in Bewegung gerät. Dann finden Erschütterungen statt, herunterfallende Gegenstände können dann die Rettungskräfte treffen. Möglicherweise kann aber auch das gesamte Schiff weiter absacken und seine Lage verändern. Das erschwert das Vorgehen natürlich noch mehr, und man muss sich wieder neu orientieren. Außerdem ist dann nicht ausgeschlossen, dass auch Rettungskräfte eingeschlossen werden, wenn das Schiff stark in Bewegung gerät. Die im Schiff eingesetzten Taucher sind durch umhertreibende Gegenstände gefährdet, die aus dem Weg geräumt werden müssen.»

Was belastet die Rettungsmannschaften zusätzlich?

Monsees: «Der Zeitdruck natürlich bei den Rettungsmaßnahmen. Die Rettungskräfte wissen auch, dass jede Sekunde wertvoll ist, wenn ich jemanden retten will. Da kommen Stresssymptome mit Sicherheit auch hinzu. Auf der einen Seite muss man sich langsam vorarbeiten in einem Schiff, das auf der Seite liegt, um auch zielgerichtet zu suchen, wo noch Personen sein können. Auf der anderen Seite wird für alle, die möglicherweise in einer Luftblase unter Wasser überlebt haben, ja auch irgendwann die Zeit knapp. Das wissen auch die Retter.»

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Havariekommando
Schifffahrt / Unfälle / Italien
15.01.2012 · 21:31 Uhr
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