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Experte rechnet bei Euro-Austritt Griechenlands mit 70-Milliarden-Verlust für private Gläubiger

Berlin (dts) - Ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone würde nach Einschätzung von Ansgar Belke, Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg-Essen, drastische Konsequenzen nach sich ziehen: Es käme dann zu einem "Default" (Zahlungsausfall) der griechischen Regierung, der vor allem die verbliebenen Verpflichtungen gegenüber den privaten Gläubigern beträfe. "Europäische Banken müssen den Großteil ihrer Exposure gegenüber Griechenland in Höhe von 70 Milliarden Euro abschreiben", sagte der Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) "Handelsblatt-Online". "Diese fällt im Rahmen der nationalen Bankenstützung jeweils auf die Euro-Mitgliedstaaten zurück."

Belke, der auch Mitglied des "Monetary Expert Panels" im Europaparlament ist, gab allerdings zu bedenken, dass der Großteil der griechischen Schulden gegenüber öffentlichen Gläubigern vor allem den Euro-Rettungsfonds EFSF und die Europäischen Zentralbank (EZB) betreffe. "Dies ist aber keinesfalls gleichbedeutend damit, dass die öffentlichen Gläubiger einen Großteil ihrer Forderungen an Griechenland abschreiben müssen", fügte er hinzu. "Denn sie genießen effektiv einen bevorrechtigten Gläubigerstatus." Überdies könnten die öffentlichen Gläubiger einen Totalverlust ihrer Forderungen vermeiden, indem sie Griechenland ein langfristiges Schuldenmoratorium gewährten, nach dem dann eine vollständige Schuldenrückzahlung vereinbart werde. "Nach etwa einem Jahrzehnt der Anpassung könnte Griechenland in der Lage sein, seine Schulden zurückzuzahlen." Ein Ausstieg aus dem Euro führe also nicht zwingend zur Insolvenz Griechenlands. Es sei daher nicht auszuschließen, "dass auch die Bundesregierung hart bleiben wird und im Falle eines Syriza-Wahlsiegs und eines tatsächlichen ernstzunehmenden Versuchs, die Syriza-Forderungen Eins-zu-Eins durchzubringen, in Kauf nehmen wird, Griechenland durch die EZB aus der Eurozone zu entlassen", sagte Belke weiter. "Nicht zuletzt, um auch vor ihren Wählern, die mehrheitlich einen Austritt Griechenlands favorisieren, falls es sich nicht an die fiskalischen Regeln hält, standhaft zu bleiben." Denn, sagte Belke, die Bundestagswahl 2013 werfe ihre Schatten voraus. "Griechenland würde geopfert, um mit dem homogeneren Rest voranzugehen in eine politisch tiefer integrierte Euro-Zone."
DEU / Finanzindustrie / Wirtschaftskrise
15.06.2012 · 18:15 Uhr
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