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Experte: Psychologische Hilfe ebenfalls ein Muss

Obdachlos in Port-au-PrinceGroßansicht
Gladenbach/Frankfurt/Main (dpa) - Sollten die Erdbebenopfer auf Haiti nicht ausreichend psychologische Hilfen bekommen, wird nach Experteneinschätzung ein sehr zu Gewalt und Kriminalität neigendes Volk zurückbleiben.

«Menschen, die solche Extrem-Traumatisierungen nicht aufgearbeitet haben, sind meistens Problemfälle», sagte Trauma- Experte Georg Pieper aus dem hessischen Gladenbach im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Frankfurt.

Es komme jetzt darauf an, dass sich die Hilfsorganisationen auch die psychologische Betreuung und psychologische Aufarbeitung auf die Fahnen schreiben. «Das ist fraglich, ob das in ausreichendem Maße passiert.»

Bei den Geschehnissen auf Haiti seit dem Beben spielten «so viele traumatisierende Faktoren» eine Rolle, sagte Pieper. Daher müsse davon ausgegangen werden, dass Hunderttausende «schwer traumatisiert und sehr tief seelisch verletzt sind». Im Vordergrund stehe «der absolute Verlust des Sicherheitsgefühls». Durch das «schreckliche Beben der Erde» kämen «wahnsinnige Ängste» hoch: «Das ist eine Erschütterung der Grundsicherheit, die wir für unser Leben brauchen.»

Als zweiter Faktor kämen «die immens schrecklichen Bilder» hinzu - «von Sterbenden, von Toten, Schwerverletzten und besonders von toten Kindern». Als dritten Faktor, der ein Trauma auslösen könne, nannte der Psychotherapeut «die selbst erlebte Todesgefahr, das gesamte Leid und die Gewalt, die jetzt aufgekommen ist». Erlebnisse wie derzeit auf Haiti seien «Dinge, die man niemals im Leben wieder vergisst».

Am schwersten betroffen seien die Kinder von den traumatischen Erfahrungen. «Je kleiner die Kinder sind, desto weniger können sie das Ganze, was da passiert ist, überhaupt nachvollziehen», schilderte der Experte. «Traumatisierungen, die ein Mensch gar nicht kognitiv nachvollziehen kann, sind extrem schädigend und kaum aufzuarbeiten. Da geht die ganze Grundsicherheit verloren.» Es gelte nun schnell - gerade die elternlos gewordenen Kinder - zu schützen, die ansonsten noch leichter Opfer von Menschen- oder Organhändlern werden könnten.

Auch für die angereisten Helfer sei die Gefahr, ein Trauma zu erleiden, groß. «Das ist ein Ausmaß an Elend, was sicherlich kaum einer von denen bisher gesehen hat.» Es sei wichtig, dass die Helfer regelmäßig nach ihren Einsätzen - etwa nach sechs oder sieben Stunden - «rausgenommen» werden. In Gesprächen in der Gruppe müssten sie die Erlebnisse nacharbeiten. «Die Last, die der einzelne auf sich nimmt, muss auf viele Schultern verteilt werden.» Pieper betonte, er habe schon viele «schwer gezeichnete und krank gewordene Helfer» gesehen. «Es ist aus meiner Sicht eine Verpflichtung der Hilfsorganisation, dass sie auch ihrer Führsorgepflicht Genüge tun und ihren Mitarbeitern eine psychologische Betreuung an die Hand geben.»

Gespräch: Inga Radel, dpa

www.traumabewältigung.de

Erdbeben / Gesundheit / Haiti
19.01.2010 · 23:38 Uhr
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