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Experte: Kumpel müssen vor Medien geschützt werden

Unzählige Journalisten aus aller Welt hatten sich am Unglücksort in Chile eingefunden.Großansicht

Münster (dpa) - Die Rettung der verschütteten Kumpel in Chile ist zum weltweiten Medienereignis geworden. Hunderte Journalisten haben seit langem die Unglücksstätte belagert. Von der Bergung berichteten etliche Kamerateams live.

«Es ist klar, dass die Bergleute nach ihrer Rettung gefragt sind wie derzeit kaum sonst jemand», sagte der Medienexperte Bernd Blöbaum in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Aber: Sie sollten unbedingt vor diesem enormen Medienansturm abgeschottet werden.»

Nach Ansicht des Kommunikationswissenschaftlers von der Universität Münster in Nordrhein-Westfalen muss den Bergleuten zunächst das Recht eingeräumt werden, Zeit mit ihren Familien zu verbringen. «Das ist wichtiger, als den Medien Rede und Antwort zu stehen.» Nicht alle Journalisten würden hier den nötigen sensiblen Abstand wahren, vermutet er.

Vor dem Schritt in die Öffentlichkeit sollten sich die Kumpel dann unbedingt über den richtigen Umgang mit den Medien beraten lassen. «Das sind Menschen, die es nicht gewohnt sind, der Öffentlichkeit gegenüberzutreten. Es ist Aufgabe des Bergwerks und der Behörden, sie auch in diesem Punkt zu unterstützen, damit sie der Neugier der Medien nicht ungeschützt ausgeliefert sind.»

Es sei etwa damit zu rechnen, dass einige Medien für Interviews Geld bieten werden. «Die Bergleute sind für unsere Verhältnisse arme Menschen, da spielt Geld natürlich schon eine wichtige Rolle.»

Den Bergleuten würde er raten, sich genau zu überlegen, mit welchen Informationen sie an die Öffentlichkeit gehen. «Es gibt vielleicht intime Details, die in der Tiefe vorgefallen sind und die dort vielleicht auch bleiben sollten», sagte Blöbaum. «Daneben steht der rechtliche Aspekt: Es gibt Schadenersatzforderungen vonseiten der Bergleute und damit die Frage, ob die Sicherheitsvorkehrungen eingehalten worden sind. Es ist nicht klug, sich jetzt unbedacht gegenüber den Medien zu äußern.»

Notfälle / Medien / Chile
13.10.2010 · 22:47 Uhr
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