News
 

Experte: Hebel könnte Schuldenkrise nicht lösen

Frankfurt/Main (dpa) - Eine sogenannte Hebelwirkung des europäischen Rettungsfonds EFSF kann nicht die grundlegenden Probleme der Schuldenkrise lösen - diese Ansicht vertritt das Freiburger Centrum für Europäische Politik (CEP).

«Jede Art der Hebelung kann zwar etwas Zeit erkaufen und ein Überschwappen der Krise auf große Euro-Länder begrenzen», sagte CEP-Experte Bert Van Roosebeke der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Mit Geld alleine sei der Schuldenkrise aber nicht beizukommen. Außerdem bestehe die große Gefahr, dass ein noch finanzstärkerer Rettungsschirm in finanzschwachen Euro-Ländern als Ersatz für Reformen und Einsparungen angesehen werde.

Die europäische Politik diskutiert derzeit darüber, wie die Effizienz des EFSF erhöht werden könnte, ohne dessen Garantievolumen zu erhöhen. Im Gespräch ist eine Hebelung des Fonds: Zum einen könnte diese mit einer Banklizenz für den EFSF erreicht werden, so dass sich der Fonds bei der Europäischen Zentralbank (EZB) refinanzieren könnte. Da sich die EZB jedoch gegen diese Lösung sperrt, ist jetzt verstärkt von einer Versicherungslösung die Rede.

Der Bank-Lösung erteilt CEP-Experte Van Roosebeke eine klare Absage: Der Rettungsfonds sei nun einmal «keine Bank im klassischen Sinne». Den EFSF mit einer Banklizenz auszustatten, «würde in erster Linie dazu dienen, ihm eine Refinanzierung über die EZB zu ermöglichen». Damit aber würden die Grenzen zwischen Fiskal- und Geldpolitik noch stärker als bislang schon verwischt.

Bei einer Versicherungslösung könnten die Anleihen von Staaten wie Italien oder Spanien gegen einen Kreditausfall abgesichert werden. Die Versicherung würde einen Teil von 20 bis 30 Prozent der Staatspapiere gegen einen Kreditausfall schützen. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit würde der EFSF dann dem Anleger diesen Teil ersetzen. Bei einem Versicherungsanteil von 20 Prozent könnte jeder versicherte Euro die fünffache Wirkung erzielen.

Dazu sagte der CEP-Experte, zwar sei die Versicherungslösung «etwas sauberer» als die Idee einer Banklizenz. «Wie alle Hebel-Lösungen löst aber auch sie nicht die ursächlichen Probleme der Schuldenkrise. (...) Strukturreformen und Sparmaßnahmen kann kein Rettungsfonds ersetzen, ganz gleich wie er auch ausgestaltet ist.»

Darüber hinaus sieht der CEP-Experte die Gefahr, dass der EFSF im Fall einer Versicherungslösung Garantien für zu viele Anleihen aussprechen oder die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihen unterschätzen könnte: «Im Ergebnis kann dies dazu führen, dass die Verpflichtungen Deutschlands im Garantiefall größer als derzeit geplant ausfallen.» Beim erweiterten EFSF beträgt die Haftungssumme Deutschlands bis zu 211 Milliarden Euro.

Links zum Thema
CEP
EU / Finanzen
19.10.2011 · 12:36 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
Es liegen momentan keine neuen Nachrichten vor.
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
17.10.2017(Heute)
16.10.2017(Gestern)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen