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Experte: Deisler Vorbild im Umgang mit Depression

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Berlin (dpa) - Selbstmordgedanken sind in Deutschland nach Einschätzung des Hamburger Psychiatrie-Experten Dieter Naber noch immer mit einem Tabu belegt

«Viele Menschen haben große Scheu, solche Gedanken in ihrer Familie zu offenbaren», sagte Naber, Leiter des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Suizidgedanken träten bei fast allen depressiven Erkrankungen auf. Als positives Beispiel nannte Naber den Profi-Fußballer Sebastian Deisler, der sich in der Saison 2003/2004 offen zu einer Depression bekannte. «Das hat sehr viel an Öffentlichkeitsarbeit gebracht.»

«Depressionen kann man heute fast immer gut behandeln», betonte der Mediziner. Im Akut-Fall seien Medikamente (Antidepressiva) sehr sinnvoll, sonst auch eine Psychotherapie. «Die heutigen Medikamente machen nicht so müde wie früher, sie betäuben nicht», ergänzte der Professor. «Damit lässt sich ein Beruf ganz normal ausüben. Ich kann mir vorstellen, dass auch Profisport damit möglich ist.» Besonders Männern falle es aber schwer, Hilfe anzunehmen. Ein nicht-prominenter Mensch könne sicher auch leichter sagen, dass es ihm schlecht gehe, als ein Politiker oder Spitzensportler.

Oft träten Selbstmordgedanken bei einer Depression kurzzeitig auf, berichtete Naber. «Viele Patienten können das dann selbst kontrollieren.» Es gebe aber auch Menschen, die bei einer depressiven Erkrankung immer häufiger und intensiver über Suizid nachdächten. «Sie sprechen dann nicht mehr spontan darüber, da muss ein Arzt nachfragen.» Es hänge sehr viel von der Beziehung zwischen Arzt und Patient ab, ob Selbstmordgedanken dann noch ehrlich geäußert würden.

Manchmal können Patienten Ärzte mit ihrem Verhalten aber auch in die Irre führen. «Hat sich ein Mensch fest zum Selbstmord entschlossen, wirkt er nach außen hin entspannt», berichtete Naber. «Das sieht dann so aus, als habe sich die Situation gebessert.» In Wirklichkeit habe ein Betroffener Ort und Zeit für den Selbstmord schon fest im Kopf.

Harte Methoden beim Suizid seien ganz typisch für Männer, sagte der Experte. Ob sich ein Mensch dabei vor den Zug werfe oder vom Dach springe, habe nichts mit der Persönlichkeit zu tun. Oft werde die nächstliegende Möglichkeit gewählt.

Dass sich die Suizidzahlen in Deutschland seit den 80er Jahren halbiert haben, hängt nach Nabers Meinung auch mit einer größeren Sensibilität der Hausärzte zusammen. «Viele Mediziner haben bei diesem Thema aber immer noch Scheu, gezielt nachzufragen», berichtete er. «Einem Patienten, der von Selbstmord spricht, kann man schließlich nicht einfach ein Rezept in die Hand drücken.»

Fußball / Enke / Deutschland
11.11.2009 · 16:16 Uhr
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