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Experte: «Costa Concordia» sank langsam»

«Costa Concordia»Großansicht

Delft (dpa) - Wie konnte die riesige «Costa Concordia» so schnell sinken? Der niederländische Experte Hans Hopman lässt diese Frage gar nicht gelten. Das Schiff sei im Gegenteil langsam gesunken, sagt er. Und nur deshalb seien so viele gerettet worden.

Hopman, Professor für Schiffsbau an der Technischen Universität Delft, hält einen Navigationsfehler für wahrscheinlich, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Seekarten möglicherweise unvollständig gewesen seien, sagte er im dpa-Interview.

Zurzeit wird im Wesentlichen der Kapitän für die Havarie verantwortlich gemacht. Der sagt allerdings, der Felsen sei auf seiner Karte nicht eingezeichnet gewesen. Ist das absurd?

Hopman: «Na ja, vor fünf oder sechs Jahren gab es ein ähnliches Unglück vor der griechischen Küste: Kreuzfahrtschiff untergegangen, zwei Tote. Und da stellte sich hinterher heraus, dass die Untiefe nicht auf der Karte eingezeichnet war. Deshalb denke ich, dass auch hier auf jeden Fall geprüft werden muss: Wie alt war die Karte? Was stand drauf, was nicht? Oft haben solche Unglücke nicht nur eine Ursache, sondern mehrere.»

Also ist es doch voreilig, dem Kapitän die ganze Schuld zu geben?

Hopman: «Letztlich war es wohl ein Navigationsfehler. Er hat einen Einschätzungsfehler gemacht. Warum? Anscheinend war es gebräuchlich, immer nahe an der Küste entlangzufahren. Das war schön für die Fotos. Ich denke mal, dass man sich das noch einmal genau ansehen muss, ob man das wirklich verantworten kann.»

Bestürzend ist, wie schnell so ein großes Schiff untergeht.

Hopman: «Im Gegenteil: Ich finde es überhaupt nicht schnell. Man hat doch anscheinend genug Zeit gehabt, um zehn Rettungsboote mit jeweils 150 Menschen zu Wasser zu lassen. Das ist auch der Hauptgrund dafür, dass es so viele Menschen überlebt haben. Wenn es wirklich schnell geht, dann läuft es so ab wie bei der "Estonia". Das Schiff ist binnen einer halben Stunde gekentert, mitten in der Nacht, die meisten Leute lagen im Bett. Und dann geht es um eine Katastrophe von ganz anderer Größenordnung.»

Sind noch viele gefährliche Stoffe an Bord der «Costa Concordia»?

Hopman: «Das Schiff war gerade ausgelaufen, deshalb schließe ich nicht aus, dass alle Treibstofftanks noch voll sind. Man konzentriert sich natürlich zuerst auf die Menschen. Danach muss als erstes das Öl raus, und wenn man dann das Risiko einer Umweltkatastrophe minimiert hat, kann man über die Bergung nachdenken.»

Das Bergen wird vermutlich Monate dauern?

Hopman: «Kommt drauf an. Wenn man das Schiff noch wiederverwenden will - was ich mir fast nicht vorstellen kann - dann ist es eine ganz andere Operation, als wenn man das Schiff auseinandersägt. Ich denke schon, dass man sich auf Monate einstellen muss.»

Schifffahrt / Unfälle / Italien
16.01.2012 · 16:46 Uhr
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