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Experte: Auch Bio-Produkte können belastet sein

Berlin (dpa) - Die Dioxinfunde in Eiern und Tierfutter schockieren viele Verbraucher. Verhindern lassen sich solche Skandale nur durch ein besseres Kontrollsystem, wie der Direktor des Instituts für Tierernährung an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Professor Josef Kamphues, der Nachrichtenagentur dpa erläuterte.

Auch Bio-Produkte könnten belastet sein. Warum kommt es immer wieder zu solchen Skandalen? Kamphues: «Da spielen Faktoren wie menschliche Schwäche, Fahrlässigkeit oder auch Schlimmeres eine Rolle.»

Hat das etwas mit Massentierhaltung zu tun?

Kamphues: «Nein, es hat etwas damit zu tun, dass wir Prozesse in der Futtermittelherstellung zunehmend auch in größeren Betrieben konzentriert haben. Wenn ich viele verteilte kleinere Betriebe habe, kann dort natürlich auch etwas passieren, aber dann ist es im kleinsten Umfeld, regional, zu spüren. Wenn man wenige große Betriebe hat, führt es sehr schnell dazu, dass die Folgen über Ländergrenzen hinaus wirken.»

Birgt die technische Futtermittelherstellung Risiken? War es früher besser, als die Kuh nur Gras gefressen hat?

Kamphues: «Wenn die Weide, auf der die Kuh grast, neben einer Müllverbrennungsanlage liegt, auf der vor Jahrzehnten etwas abgelagert wurde, dann ist das zwar keine große Technik, die beim Grasen der Kuh eine Rolle spielt, aber das Tier nimmt vielleicht noch mehr Dioxin auf.»

Sind Bio-Produkte ungefährlicher?

Kamphues: «Sie sind anders gefährdet als konventionell produzierte Produkte. Wenn ich sogenannte Bio-Kühe neben einem Fluss halte, der Gift in sich hat und sein Wasser über die Ufer tritt, dann ist das Bio-Produkt vielleicht sogar gefährlicher.»

Was kann man gegen solche Skandale tun?

Kamphues: «Man muss alle intellektuelle Kapazität darauf verwenden, ein höchst effizientes und dennoch wirtschaftliches Kontrollsystem zu entwickeln. Die Wissenschaft, die Fachleute, haben die Aufgabe, dafür Vorschläge zu machen.»

Trägt der Verbraucher, der immer günstigere Produkte will, auch eine Verantwortung?

Kamphues: «Nein. Man kann doch nicht dem Verbraucher, der mit seinem Haushaltsgeld rechnet, noch eine Mitschuld daran geben, dass Irgendeiner grob fahrlässig oder noch schlimmer mit irgendwelchen schlimmen Substanzen umgeht.»

Agrar / Gesundheit
06.01.2011 · 06:56 Uhr
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