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Experte: «Alle Kriterien für Stufe 7 sind erfüllt»

Japan stuft Atomstörfall hochGroßansicht

Berlin (dpa) - Gut vier Wochen nach dem Atomunfall in Fukushima hat Japan das Unglück auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines) von 5 auf die höchste Stufe 7 nach oben korrigiert.

Dort rangierte bisher nur Tschernobyl. Horst May, Ingenieur und Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, erläutert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die Gründe.

Warum stuft Japan den Unfall erst jetzt auf Stufe 7 hoch? Experten in Deutschland hatten schon wenige Tage nach dem Tsunami von einem zweiten Tschernobyl gesprochen.

May: «Japan hat nach vielen Messungen in der Umgebung von Fukushima und im Pazifik jetzt genau nachgerechnet, wieviele radioaktive Stoffe bisher insgesamt aus der Anlage freigesetzt wurden. Nach diesen Berechnungen ist man dort zu dem Ergebnis gekommen, dass dieser Unfall in die höchste Stufe 7 einzuordnen ist. Alle Kriterien dafür sind erfüllt: Es sind große Mengen radioaktiver Stoffe unkontrolliert in die nähere und weitere Umgebung gelangt. Und es hat Evakuierungsmaßnahmen gegeben. Nur über mögliche gesundheitliche Spätschäden lässt sich noch nichts sagen.»

Japan spricht bei der Radioaktivität von zehn Prozent der Menge von Tschernobyl. Das klingt nicht so dramatisch - täuscht das?

May: «In Tschernobyl ist Radioaktivität explosionsartig freigesetzt worden. In Fukushima ist es eher ein schleichender, längerer Prozess. Deswegen konnte man ja auch Gegenmaßnahmen ergreifen. Die zehn Prozent, die Japan errechnet hat, sind aber trotzdem noch eine große Menge.»

Wer legt die Einstufung auf der Ines-Skala nach einem Unfall fest?

May: «Dafür ist der Betreiber einer Anlage zuständig. Das Ergebnis wird dann aber vom Verantwortlichen für die Bewertungsskala im Land geprüft. Wenn er nicht zu dem gleichen Ergebnis kommt, würde er Rücksprache mit dem Betreiber nehmen. Der müsste sein Ergebnis dann korrigieren. Die Skala ist international anerkannt. Wenn ein Land von sich aus keine Einstufung vornimmt, würde sich die internationale Atomenergiebehörde melden und das einfordern.»

Konnte Japan die Änderung der Einstufung von 5 auf 7 nicht schon in den vergangenen Wochen vornehmen?

May: «Sie haben die Erkenntnis, dass große Mengen Radioaktivität freigesetzt worden sind. Ob diese Berechnungen erst jetzt zum Abschluss gekommen sind oder früher vorlagen, kann ich nicht beurteilen.»

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GRS
Atom / Japan
12.04.2011 · 21:46 Uhr
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