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Ex-Siemens-Vorstand macht Regierung Vorwürfe

Athen (dts) - Der seit fast eineinhalb Jahren in Griechenland festgehaltene frühere Siemens-Zentralvorstand Volker Jung wirft der Bundesregierung vor, sich nicht genügend für ihn einzusetzen. "Wenn ich Amerikaner, Engländer oder Franzose wäre, säße ich längst nicht mehr hier", sagte Jung in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe). "Diese Länder würden Griechenland mehr unter Druck setzen."

Die Athener Justiz wirft dem 71-jährigen Rentner und ehemaligen Top-Manager vor, in den Schmiergeldskandal bei Siemens verwickelt zu sein, was Jung bestreitet. Er darf seit einer Vernehmung im Frühjahr 2009 in Athen das Land nicht mehr verlassen. Seitdem lebt Jung mit seiner Frau auf der Insel Paros in der Ägäis, wo er ein Haus besitzt. Jung hatte von 1992 bis 2003 dem Zentralvorstand von Siemens angehört und zahlreiche Mandate in der deutschen und internationalen Wirtschaft ausgeübt. Der Oberbayer war unter anderem Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Aufsichtsratschef von MAN und Siemens und Beiratsmitglied der Bayerischen Landesbank. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat ihm nach umfangreichen Ermittlungen bescheinigt, dass im Korruptionsfall Siemens nichts gegen ihn vorliegt. Die Athener Justiz sieht das anders. Jung sagte der SZ, die dortigen Ermittler und das Parlament wollten von ihm wissen, welche Politiker und Geschäftsleute in Griechenland von Siemens bestochen worden seien. "Ich weiß aber nichts, ich kenne keine Namen." Um das Land verlassen und nach München zurückkehren zu dürfen, sei er bereit, eine Kaution zu stellen. Zu den Schadenersatzzahlungen in Millionenhöhe, die Siemens von mehreren früheren Zentralvorständen wegen der Affäre eingetrieben hatte, sagte Jung: "Das Vorgehen war zu hart, manche Kollegen von mir wurden bis an den Rand des finanziellen Ruins getrieben." Jung räumte aber ein, dass der alte Siemens-Vorstand im Hinblick auf die Korruption bei internationalen Geschäften "nicht problembewusst genug" gewesen sei. Jung sagte weiter, Siemens sei bestimmt nicht der größte internationale Korruptionsfall. Es sei nur der größte Fall, den man bislang kenne und verfolge. "Es wird heute in Griechenland so getan, als ob nur deutsche Firmen schmieren. Wer das glaubt, der ist naiv oder scheinheilig." Die Wahrheit sei, dass in Europa nur in Deutschland so streng ermittelt werde, was natürlich auch richtig sei, um die Korruption einzudämmen. "Aber was machen denn die Franzosen, die Engländer und all die anderen? Dort ist es doch genauso ein Problem, aber es wird nichts dagegen getan. Und in Griechenland werden nur die Korruptionsfälle untersucht, die aus Deutschland gemeldet werden."
DEU / Unternehmen
26.09.2010 · 22:23 Uhr
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