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Ex-«Sheriff des Jahres» landet in seinem Gefängnis

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Washington (dpa) - Willkommen daheim: Ein einst berühmter und verehrter Sheriff in den USA ist jetzt unfreiwilliger Bewohner eines Gefängnisses. Kurios: Die Strafanstalt trägt seinen Namen.

Patrick Sullivan war für viele Amerikaner ein Sheriff, wie er im Buche steht - ein zupackender Ordnungshüter, ein Held, der einst wagemutig Geiseln aus der Gewalt eines Mörders befreite. Er war «Sheriff des Jahres» der Nation, so berühmt und hoch verehrt, dass sogar ein Gefängnis nach ihm benannt wurde. Jetzt sitzt der 68-Jährige selbst hinter Gittern - ausgerechnet in der Strafanstalt, die seinen Namen trägt.

Am Mittwoch (Ortszeit) erschien Sullivan in Handschellen vor einem Richter - nach den langen Jahren in Uniform trug er einen orangefarbenen Gefängnisoverall. «Ich kann es einfach nicht glauben, dass das hier passiert», zitiert die «New York Times» den ehemaligen Bezirksstaatsanwalt Robert Gallagher, der früher oft mit dem Sheriff zusammengearbeitet hat. «Das ist nicht der Pat Sullivan, den ich so hoch respektiert habe.»

Sullivan sitzt in Centennial (Colorado) in Untersuchungshaft und soll sich wegen versuchten Verkaufs von Methamphetamin vor Gericht verantworten. Besonders peinlich: Laut US-Medienberichten wird ihm angelastet, einem Mann das Rauschgift im Gegenzug für Sex angeboten zu haben. Der «Denver Post» zufolge setzte der zuständige Richter die Kaution für Sullivan auf 500 000 Dollar fest. Kann er sie nicht aufbringen, bleibt er zumindest bis zum Prozess Bewohner der Patrick J. Sullivan Jr. Detention Facility. Im Fall eines Schuldspruchs drohen ihm nach Medienberichten bis zu sechs Jahre Haft.

Sullivan war von 1984 bis 2002 Sheriff von Arapahoe County. US-weit wurde er 1989 zur Berühmtheit: Da machte er mit einem Jeep den Gartenzaun eines Hauses platt, um zwei Hilfssheriffs und einen Jungen aus der Gewalt eines bewaffneten Mordverdächtigen zu befreien. Das Fernsehen übertrug die dramatische Rettungsaktion live. 2001 kürte ihn die Nationale Sheriff-Vereinigung (National Sheriffs' Association) zum «Sheriff of the Year».

Und auch nach seinem Ausscheiden aus dem Amt blieb Sullivan den Medienberichten zufolge eine Größe: Nach dem Blutbad an der Columbine High School in Littleton heuerte ihn ein Bezirk als Direktor für Schulsicherheit an. Sullivan habe sich in Fachkreisen auch als nationaler Cyperterrorismus-Experte einen Namen gemacht und in einer staatlichen Anti-Drogen-Arbeitsgruppe mitgearbeitet, hieß es in der «Denver Post» weiter.

Der Zeitung zufolge geht aus Gerichtspapieren hervor, dass Sullivan am vergangenen Dienstag in eine von der Polizei gestellte Falle tappte. Demnach waren die Behörden durch einen Tipp auf seine mutmaßlichen Drogenaktivitäten aufmerksam geworden. Sie hätten dann einen Informanten und früheren Sexgefährten Sullivans angeheuert, der sich dem Ex-Sheriff im Austausch gegen Drogen angeboten habe. Die Übergabe des Rauschgifts sei gefilmt und Sullivan festgenommen worden.

Vor allem in Arapahoe County schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. «Er war total anständig und ehrlich», sagte ein Exstaatsanwalt der «Denver Post». Sullivan habe geradezu «vor Ehrlichkeit und Integrität getrieft». Auch Steve Ward, ein früherer Landrat in Arapahoe County, konnte es einfach nicht fassen. «Es ist, als ob man aufwacht und die Schlagzeile liest: Wissenschaftler sind jetzt zu dem Schluss gekommen, dass die Erde flach ist», zitierte ihn die «New York Times».

Kriminalität / USA
01.12.2011 · 16:03 Uhr
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