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Ex-RAF-Terrorist schildert Terrorcamp-Ausbildung

Die ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock (r) gilt als ein Hauptzeuge der Anklage.Großansicht

Stuttgart (dpa) - Im Prozess um den Mord an Generalbundesanwalt Siegfried Buback vor fast 34 Jahren hat Ex-Terrorist Peter-Jürgen Boock die Vorbereitungen zu Anschlägen der «Rote Armee Fraktion» in einem Terrorcamp im Jemen geschildert.

Nachdem die Gründungsmitglieder der RAF in Stuttgart-Stammheim in Haft saßen, bereitete sich die sogenannte «Zweite Generation» auf neue Anschläge vor. Absolute Priorität habe dabei nach dem Willen der «Stammheimer» die Ermordung Bubacks gehabt, sagte Boock am Donnerstag im Prozess gegen die Ex-Terroristin Verena Becker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Verena Becker ist als mögliche Mittäterin des Mordanschlags vom 7. April 1977 angeklagt. Sie soll laut Anklage eine maßgebliche Rolle bei der Entscheidung für den Anschlag sowie der Organisation gespielt haben. Hierfür ist Boock einer der entscheidenden Zeugen. Der 59-Jährige, der an Arthrose leidet, stand während seiner Aussage unter dem Einfluss von Schmerzmitteln und einem Psychopharmaka. Schließlich musste seine Befragung vorzeitig unterbrochen werden, weil er sich nicht mehr konzentrieren konnte. «Ich merke, dass ich langsam anfange auszufransen», sagte er.

Boock hatte Becker zum ersten Mal 1976 in dem Ausbildungslager der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) in der jemenitischen Hauptstadt Aden getroffen. Dort lernten die neuen RAF-Mitglieder unter anderem den Umgang mit Waffen und Sprengstoff.

Ziel dieser «zweiten Generation» sei zunächst die Befreiung der in Stammheim einsitzenden RAF-Mitglieder um Andreas Baader und Ulrike Meinhof gewesen. Die «Stammheimer» hätten ihnen eine Prioritätenliste mit Anschlagszielen aufgetragen, berichtete Boock. An erster Stelle stand unter der Losung «Der General muss weg» der Anschlag auf Siegfried Buback, an zweiter Stelle die Aktion «Big Raushole»: Der Versuch, die inhaftierten Mitglieder der RAF freizupressen, der später mit der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer scheiterte. «Der Wille der Stammheimer, das war quasi Gesetz», erzählte Boock. «Es gab niemanden, der da widersprochen hätte.»

Verena Becker habe sich nach seiner Erinnerung bei der Entscheidung für den Anschlag nicht besonders hervorgetan, schilderte Boock. «Ich denke, Frau Becker hat das unterstützt, und auch vehement unterstützt, was die Stammheimer wollten.» Bei den beiden großen Planungstreffen im Harz und in den Niederlanden sei sie dabei gewesen, sagte er. Auf Nachfragen war er sich beim zweiten Treffen allerdings nicht mehr so sicher.

Ob sie denn zum «Karlsruher Kommando» gehört habe, das mit den Vorbereitungen zum Mord an Buback befasst war, fragte der Vorsitzende Richter. Boocks Antwort: «Also als Beteiligte des Kommandos - nein. Meines Wissens nach nein.»

Grundsätzlich habe er wenig über die Planung des Anschlags auf den Generalbundesanwalt gewusst, und schon gar nicht, wer konkret schießen sollte. «So wurde das nicht diskutiert.» Er habe nur gewusst, dass ein Motorrad für die Tat genutzt werden sollte - weil es sich am besten zur Flucht eignete. Weitere Details hätten ihn nicht zu interessieren gehabt. Beckers Verteidiger Hans Wolfgang Euler bewertete Boocks Aussage als positiv für seine Mandantin: «Die Anklage sagt, Verena Becker habe den Entschluss zur Tat bestärkt. Das hat die bisherige Aussage nicht ergeben.»

Der Vorsitzende Richter Hermann Wieland hatte Boock zu Beginn seiner Zeugenaussage ermahnt, mit sich und seiner Vergangenheit ins Reine zu kommen: «Sie sollten die historische Chance nutzen, vor der deutschen Bevölkerung und Geschichte das zu sagen, was der Wahrheit entspricht - und zwar in vollständiger Form.»

Boock hatte zunächst seinen Weg in den Terrorismus geschildert - wie er als «Zögling» in einem Erziehungsheim zum erstem Mal Andreas Baader und Gudrun Ensslin traf, die sich im Rahmen der sogenannten «Heimkampagne» für die Abschaffung der Heime einsetzten. Daraufhin sei er aus dem Heim abgehauen. Als die RAF-Gründer inhaftiert wurden, sei für ihn klar gewesen: «Die haben mir aus dieser Situation herausgeholfen, jetzt ist die Reihe an mir, ihnen aus dem Gefängnis zu helfen.»

Prozesse / Terrorismus / RAF
03.02.2011 · 20:06 Uhr
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