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Ex-Polizist Kurras zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Berlin (dpa) - Wegen illegalen Waffenbesitzes hat das Berliner Amtsgericht Tiergarten den pensionierten Polizisten Karl-Heinz Kurras am Freitag zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

In der Wohnung des 81-Jährigen, der 1967 in West-Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschossen und damit zur Radikalisierung der Studentenbewegung beigetragen hatte, war im Juni ein geladener Revolver der Marke «Smith & Wesson» vom Kaliber 38 sichergestellt worden. Auch 165 Patronen und einen sogenannten Totschläger hatten Beamte beschlagnahmt. Erst Ende Mai 2009 war Kurras als Spion enttarnt worden, der das DDR-Ministerium für Staatssicherheit über lange Jahre mit Informationen aus der West-Berliner Polizeibehörde versorgte.

Amtsrichterin Barbara Odenthal sagte in ihrer Urteilsbegründung, Kurras habe den gefährlichen Revolver ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen aufbewahrt und keine waffenrechtliche Erlaubnis mehr gehabt. Der Verteidiger des Verurteilten kündigte Berufung an. Er hatte auf eine Geldstrafe plädiert.

Kurras, den eine Krankenschwester im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben hatte, gab über seinen Rechtsanwalt zu, er habe die Waffe als Relikt aus seiner Zeit als Sportschütze aufbewahrt. «Es ist eine große Dummheit gewesen», erklärte er. Ein Polizeibeamter schilderte als Zeuge, dass sich Kurras bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Juni sehr widerspenstig verhalten habe. Er werde schlimmer behandelt als der einstige DDR-Partei-und Staatschef Erich Honecker und Stasi- Minister Erich Mielke, gab der Beamte wütende Äußerungen des Pensionärs wieder.

Der 81-Jährige, der schon in seiner aktiven Dienstzeit als Waffennarr und begeisterter Sportschütze galt, hatte der Polizei Ende Mai freiwillig seine Waffenerlaubniskarte sowie eine Pistole samt Munition ausgehändigt. Dabei soll er den Beamten versichert haben, es sei die einzige im Haus. Im Juni kam es zur Durchsuchung.

Kurras hatte am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration gegen den Schah von Persien den 22-jährigen Benno Ohnesorg erschossen. Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde der Kriminalbeamte 1967 und 1970 mangels Beweisen freigesprochen. Bereits 1967 musste Kurras eine Geldstrafe zahlen, weil er sich unerlaubt eine polnische Armeepistole mit weit über 1000 Schuss Munition zugelegt hatte.

Seit seiner Enttarnung als Stasi-Agent sind gegen Kurras noch zwei weitere Ermittlungsverfahren anhängig. Zum einen geht es um den Vorwurf des Landesverrats, zum anderen darum, ob das Strafverfahren im Fall Benno Ohnesorg neu aufgerollt werden muss.

Prozesse / Geschichte / Kriminalität
13.11.2009 · 13:05 Uhr
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