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Ex-Offiziere sorgen mit Stasi-Buch für Unmut

Akten mit dem Aufdruck Großansicht
Berlin (dpa) - Knapp 20 Jahre nach der deutschen Einheit haben zwei frühere hochrangige Stasi-Offiziere ein neues Buch über den DDR-Spitzelapparat veröffentlicht und damit für Unmut gesorgt. Es heißt «Fragen an das MfS» und stammt von Werner Großmann und Wolfgang Schwanitz.

Beide waren in der DDR zuletzt Stellvertreter von Stasi-Minister Erich Mielke. Das Frage-Antwort-Buch wird als «informatives Kompendium» für junge Menschen angepriesen. «Das ist der letzte Aufschrei der Obristen», sagte der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Sie halten an ihren Lebenslügen fest», so Knabe.

Auf knapp 400 Seiten verteidigen die Ex-Funktionäre die Arbeit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Zu lesen ist unter anderem: In der DDR hat es keine flächendeckende Überwachung durch die Stasi gegeben. Auf Häftlinge der Staatssicherheit wurde kein psychischer Druck ausgeübt. Für Stasi-Mitarbeiter gab es keine Extra-Läden mit Westwaren. Das MfS hat heimlich Briefe geöffnet - doch das gehöre weltweit zum hoheitlichen Handeln von Staaten. Das MfS habe aber keine Killerkommandos losgeschickt, heißt es in den Antworten auf knapp 200 Fragen. Diese seien ihnen in Schulen, auf Foren und Hörsälen in den letzten Jahren gestellt worden, wird im Klappentext des im Verlag edition ost erschienenen Buches betont.

In einem Vorwort verweisen Generaloberst a.D. Großmann und Generalleutnant a.D. Schwanitz darauf, sie hätten das Buch herausgebracht, weil beim Umgang mit der DDR die historische Wahrheit geleugnet werde. Die DDR werde «von den Vertretern des herrschenden Zeitgeistes» mit Arroganz und Häme betrachtet, monieren sie. Frühere MfS-Mitarbeiter würden ausgegrenzt und geächtet. Die öffentliche Denunziation halte bis heute an. Die DDR werde kriminalisiert.

Solche Bücher seien für die Opfer der Stasi sehr schmerzhaft, sagte Historiker Knabe. «Die Verfolgten müssen mit ansehen, wie sie von ihren Peinigern erneut als Gesetzesbrecher abgestempelt werden, ohne dass ein Staatsanwalt dagegen vorgeht.» Die Politik sollte regeln, dass der Straftatbestand der Volksverhetzung nicht nur mit Blick auf den Nationalsozialismus angewendet werden könne. Es sei zudem beschämend, dass ein Verlag geschichtsrevisionistische Abhandlungen von früheren Stasi-Offizieren veröffentliche.

Geschichte / Stasi
06.03.2010 · 11:38 Uhr
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