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Ex-Flughafen Tempelhof wird Berlins größter Park

Am Wochenende können Gäste auf dem Flughafen-Gelände skaten, radeln oder mit einem Velo-Taxi spazieren fahren.Großansicht
Berlin (dpa) - Begleitet von Protesten ist Berlins größter Park auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof eröffnet worden. Anderthalb Jahre nach der Schließung strömten am Samstag Tausende Besucher bei herbstlichen Temperaturen auf die 300 Hektar große Freifläche.

Bei der Eröffnungsrede von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gab es ein Pfeifkonzert. Etwa 50 Demonstranten forderten auf Schildern und mit Sprechchören, den Zaun um das Gelände zu entfernen. Sie bemängelten auch, dass der Park nachts geschlossen bleiben soll. Der Senat erwartete am Samstag und Sonntag 200 000 Besucher. Sehr voll wirkte das riesige Areal am ersten Öffnungstag nicht.

Polizei und Wachschutz waren bei dem Eröffnungsfest deutlich sichtbar. Größere Zwischenfälle blieben aus. Zwei junge Männer wurden laut Polizei wegen Farbschmierereien des Geländes verwiesen. Rund 350 Angehörige der linken Szene demonstrierten am Hermannplatz.

Kein Stadtpark wie andere

Tempelhof wirkt anders als ein Stadtpark im herkömmlichen Sinne. Kein Baum ist zu sehen, wenn der Blick über die Wiesen und die stillgelegten Landebahnen schweift. Noch ist der Park ein Provisorium - die Bagger sollen erst 2013 kommen. Wowereit gab sich trotzdem optimistisch, als er die Fläche am Samstagmittag offiziell eröffnete: «Dies ist der Beginn einer großartigen Entwicklung.»

Wo einst die Rosinenbomber landeten, fuhren nun Besucher mit dem Fahrrad, auf Skates oder in einem Velo-Taxi herum. 400 Sportbegeisterte machten am Morgen bei einem «Volkslauf» mit, der auf die Internationale Gartenschau 2017 einstimmen sollte.

Demonstranten bemängelten, dass die Teilnahme zehn Euro kostete. Auf diese Weise würden bestimmte Bevölkerungsgruppen ausgeschlossen, sagte eine 23-Jährige, die ihren Namen nicht nennen wollte. «Ich könnte mir das nicht leisten.» Sie befürchtete steigende Mieten in der Umgebung des Parks. Auch der Name «Volkslauf» sei, gerade am Jahrestag des Kriegsendes, ungeschickt gewählt.

Lokaler Budenzauber ohne Glühwein

Trotz der Proteste und des wolkenverhangenen Himmels: Den meisten Besuchern schien der Park zu gefallen. Sie gingen von einer Wurstbude zur anderen, aßen Waffeln und kauften Lebkuchenherzen. Bei Temperaturen um zehn Grad fragten manche nach Glühwein - Fehlanzeige. Die Kleinsten nahmen an Mitmach-Parcours teil, die Größeren liehen sich Inline-Skates aus. Im Hintergrund war Leierkastenmusik zu hören, auf einer Bühne spielte eine Band Oldies - für Berliner Verhältnisse ein eher bescheidenes Programm.

Anwohnerin Patricia Hänel kann verstehen, dass der Park nachts geschlossen wird. So bleibe er sauberer, sagte die 40-Jährige. «Das klingt jetzt zwar spießig, aber ich habe zwei kleine Kinder und keine Lust, über zerbrochene Bierflaschen und zerquetschte Grillüberreste zu laufen.» Seniorin Annett Bublitz findet den Park toll, besonders für Kinder und Sportler. Nur Bänke zum Ausruhen wünsche sie sich: «Die Meile ist ja für das ältere Publikum eigentlich zu lang.»

Freizeit / Stadtentwicklung
08.05.2010 · 15:54 Uhr
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