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Europas Luftfahrt startet wieder durch

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Hamburg (dpa) - Am Himmel über Europa brummt es wieder. Nach rund einer Woche Chaos lief der Luftverkehr in Deutschland schneller als erwartet wieder an. «Wir haben schon fast wieder den normalen Zustand», sagte Flugsicherungs-Sprecher Axel Raab am Donnerstag in Langen bei Frankfurt.

Der Weltluftfahrtverband IATA hatte erwartet, dass das Anlaufen drei bis sechs Tage dauern werde. Vulkanasche, die zu den Sperrungen bis Mittwochmorgen geführt hatte, sei kein Problem mehr. «Im Moment sieht es sehr gut aus. Wir gehen davon aus, dass es auch so bleibt», sagte Raab. Er schätzte die Zahl der Ausfälle durch Sperrungen im deutschen Luftraum über alle Tage zusammen auf 35 000 bis 40 000. Der Krisenstab der Flugsicherung werde weiterarbeiten.

Am Donnerstag waren rund 8000 Flüge im deutschen Luftraum geplant - ein normaler Wert für einen Tag im April. Europaweit ging die Flugsicherungsorganisation Eurocontrol für Donnerstag von 28 000 bis 29 000 Flüge aus.

Die schnelle Normalisierung dürfte damit zusammenhängen, dass sich alle Airlines gut darauf eingestellt hatten und das Wetter mitspielte. Auch die Lufthansa hatte Normalbetrieb geplant. Zwischenfälle mit Vulkanasche wurden der Flugsicherung bisher nicht gemeldet. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt unternahm mit seinem Forschungsjet Falcon 20 E einen erneuten Messflug - Ergebnisse werden frühestens am Freitag erwartet.

Die Airlines beklagen enorme Einbußen wegen der Flugverbote. Sie hatten Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisiert, weil die Luftraumsperrungen ihrer Ansicht nach auf ungenügenden Daten basierten. Auch in Großbritannien waren Behörden und Regierung unter Druck. Es ging dabei um die Frage, warum es fünf Tage gedauert hatte, um das Risiko durch die Vulkanasche für Flugzeuge neu zu bewerten. Am Dienstag hatte die britische Luftfahrtbehörde CAA erklärt, dass die Maschinen doch in niedrigen Aschekonzentrationen sicher fliegen könnten und damit das Flugverbot aufgehoben. Basis für diese neue Richtlinie waren Erkenntnisse der Triebwerks- und Flugzeughersteller.

«Flugzeughersteller haben nun einer höheren Toleranz in Lufträumen mit niedriger Aschekonzentration zugestimmt», erklärte die CAA. Früher habe es geheißen, Vulkanasche sei um jeden Preis zu vermeiden. Das britische Militär stellte allerdings am Donnerstag alle Trainingsflüge mit seinem Kampfjet Eurofighter ein, nachdem «kleine Mengen» Asche im Triebwerk entdeckt worden waren. Es handle sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, um alle Jets zu überprüfen.

Um die Verzögerungen im Warenverkehr aufzuholen, soll am kommenden Sonntag das Fahrverbot für Lastwagen in Deutschland gelockert werden. In mehreren Bundesländern wurden zusätzliche Nachtflüge genehmigt. Autohersteller Opel dehnte den Produktionsstopp am Stammsitz Rüsselsheim in Hessen wegen fehlender Teile auf die Frühschicht am Freitag aus.

Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main schätzte seinen Umsatzverlust auf 15 Millionen Euro. Der Betreiber Fraport will den Airlines Kosten erlassen, die durch die Flugverbote entstanden sind - wie zusätzliche Parkgebühren für die Flugzeuge.

In der Ferne warteten aber noch weiter Tausende von Reisenden auf ihre Rückkehr. In Hongkong saßen noch Hunderte Deutsche fest, da nicht alle «alten Fälle» abgearbeitet sind, aber täglich neue Reisende hinzukommen. Auf dem Airport «Chek Lap Kok» bildete sich erneut eine Schlange von Gestrandeten vor dem Lufthansa-Schalter. «Wir waren schon gestern hier, haben fünf Stunden gewartet und gehofft, aber sind nicht in die Maschine gekommen», erzählt die Hamburgerin Lara Ritscher.

Die Deutsche Flugsicherung hatte den Luftraum am Mittwoch flächendeckend wieder freigegeben. Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen schätzt, dass seit Beginn der Sperrungen knapp drei Millionen Passagiere nicht abgefertigt wurden. Die Einnahmeausfälle der Airlines insgesamt beziffert der Internationale Flugverband IATA auf knapp 1,3 Milliarden Euro.

In den kommenden Tagen soll die Vulkanasche über den Atlantik Richtung Nord-Nordost getrieben werden. «Mitteleuropa wird nicht mehr betroffen sein», prognostizierte ein Experte vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Zudem schleudert der Vulkan derzeit nur noch wenig Asche in die Atmosphäre.

Vulkane / Luftverkehr / Island
22.04.2010 · 17:41 Uhr
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