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Europa hat wieder Flügel - muss aber durchs Nadelöhr

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Brüssel/Frankfurt (dpa) - Auf den tagelangen Stillstand im europäischen Flugverkehr folgt erst einmal eines: Stau. Noch nie in der Luftfahrtgeschichte des Kontinents standen so viele Flugzeuge am Boden. Der sonst in der Luft übliche reibungslose Kreislauf - alles Makulatur.

Nach dem Asche-Chaos werden die Fluglotsen europaweit zu Stau-Managern. Und auch Europas Fluggesellschaften müssen für den Wiederanlauf des Luftverkehrs enorme Organisation leisten.

Kenneth Thomas, Manager im Überwachungsraum der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol, erklärt die Ausnahmesituation mit einem schönen Bild: Der Himmel sei eine fast leere Autobahn und alle drängelten sich an den Auffahrten. «Das sind die Flaschenhälse, um die sich die Fluglotsen jetzt kümmern», sagt Thomas am Mittwoch. «Und Eurocontrol hilft, das fein auszubalancieren.»

Nadelöhr sind neben den großen Flughäfen auch die immer noch gesperrten Lufträume, sagt der Flugverkehrs-Experte. So habe es mit Stand Mittwochnachmittag über Mittel- und Südschweden, Helsinki, dem Drehkreuz Frankfurt/Main und Barcelona Verzögerungen gegeben. «Es wird noch einige Tage dauern, bis der Flugbetrieb normal läuft», sagte die Sprecherin von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.

Die EU-Kommission rechnete für Mittwoch damit, dass 20 000 Flüge starten - das würde etwa 80 Prozent entsprechen. «Morgen könnten 90 Prozent erreicht werden», sagte die Sprecherin. «Die Lage ist weiterhin sehr kritisch, aber wir sind zu einem pragmatischen Modell zurückgekehrt.»

Auch Thomas kann nicht sagen, wann alles wieder normal läuft. Noch nie, auch nicht nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, habe so viel Stillstand bewältigt werden müssen. Der Europäische Verband der Fluggesellschaften AEA spricht gar von «der schwersten Blockade der europäischen Luftfahrt seit dem Zweiten Weltkrieg.»

Eurocontrol hilft nun bei den Nadelöhren. «Wir bekommen Pläne der nationalen Flugsicherungen und überprüfen sie mit unseren Daten über den vorhandenen Platz», erläutert Thomas. Falls nötig, würden die 1750 Sektoren in Europas Himmel verschoben - sozusagen, um die Flaschenhälse zu weiten. Rund um die wenigen verbliebenen Sperren werde umgeleitet. «Aber das ist alles kompliziert, jede Ausweichroute kostet Sprit und muss berechnet werden», sagt der Fachmann.

Die komplizierte Planung beginnt aber auch schon längst, bevor sich eine Flugzeugturbine überhaupt dreht. Denn die Flugpläne großer Fluggesellschaften wie der Lufthansa ähneln in mancher Hinsicht einem Dominospiel: Fällt ein Stein, folgen ganz schnell viele weitere. Nach den Sperren wegen der Aschewolke ist nun das ganze Spiel umgefallen.

Beim Wiederaufbauen müssen die Planungsexperten behutsam zu Werke gehen, damit nicht neue Steine fallen oder an anderer Stelle zu große Lücken entstehen. Die mehr als 1800 täglichen Lufthansa-Flüge zu mehr als 200 Zielen weltweit werden normalerweise einen Monat im Voraus geplant, wie Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty berichtet.

Nach Kräften versuchen die Manager nun, die Maschinerie wieder in Gang zu bringen und teure Leerflüge zu vermeiden. Zu beachten sind dabei nicht nur die scharfen Meilengrenzen für Inspektionen und Sicherheitschecks an den Flugzeugen, sondern auch strenge Vorgaben für Crew und Kabinenpersonal. Die Piloten dürfen grundsätzlich wegen des großen Trainingsaufwands nur einen Flugzeugtyp steuern. Das Kabinenpersonal darf in der Regel immerhin mit drei Typen fliegen. Und selbst wenn der komplizierte Plan steht: Viele Mitarbeiter müssen erstmal wieder genau dorthin gelangen, wo sie auch benötigt werden.

Vulkane / Luftverkehr / EU / Island
21.04.2010 · 21:40 Uhr
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