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Eurokrise - Wann steht Deutschland am Abgrund?

Deutschland 2012: Eine Insel der Glückseligkeit mitten in der rauen europäischen See finanzpolitischer Stürme. Während die Finanzkrise Europa unvermindert in Atem hält, scheint es den Deutschen besser zu gehen denn je. Ein Eindruck, den man auf den ersten Blick gewinnen könnte.

Die Arbeitslosigkeit bewegt sich auf dem niedrigstem Niveau seit 20 Jahren, die Bundesregierung freut sich über frisches Geld, für das sie nicht einmal Zinsen zahlt und langsam aber sicher eint das Land einmal mehr die Hoffnung auf ein schwarz-rot-goldenes Sommermärchen bei der anstehenden Fußball-Europameisterschaft. Von Krise keine Spur.

«Deutschland profitiert von seinem sehr hohen Beschäftigtenstand, durch den die Konsumnachfrage gestützt wird», erklärt Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaft (DIW) die deutsche Ausnahmerolle. Außerdem gelte Deutschland in der Krise als sicherer Anlagehafen und habe seine öffentlichen Finanzen relativ gut im Griff, so der Finanzexperte gegenüber news.de.

Gefahr besteht auch für Deutschland

Doch es ist ein trügerisches Idyll. Die negativen Vorzeichen häufen sich. Dax und Euro befinden sich auf Dauertalfahrt, die Konjunkturprognosen sinken und Anti-Euro-Bücher stehen hoch im Kurs. Ein griechisches Euro-Aus würde den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Die derzeit diskutierten Eurobonds gingen ebenfalls zu Lasten des wirtschaftsstärksten Mitgliedslandes. Mit zinslosem Geld wäre es dann vorbei.

Bleibt es so nur eine Frage der Zeit, bis auch wir in den Abwärtssog gerissen werden? «Die Gefahr ist nicht auszuschließen und würde insbesondere dann drohen, wenn die Rettungsschirme massiv ausgedehnt werden», meint Christian Dreger. Um das zu verhindern, wünscht sich der Experte ein größeres Engagement der Europäischen Zentralbank. Eine Stabilisierung der Krisenländer soll den drohenden Domino-Effekt vermeiden.

Gut zwei Jahre ist es her, dass die ersten Hilfsgelder gen Griechenland flossen. Weitere Milliarden-Pakete folgten. Seitdem schwelt die europäische Finanzkrise, wirkliche Besserung ist nicht in Sicht. Dreger sieht die Europäische Union in der Verantwortung, ein Worst-Case-Szenario zu vermeiden.

«Damit es nicht dazu kommt, sind wirtschaftspolitisch überzeugendere Antworten erforderlich. Dazu gehören konjunkturstimulierende Maßnahmen, die auf der Ebene des Euroraums beschlossen werden sollten», so der Finanzexperte. Die Defizitländer sollten mit ihren Problemen nicht alleine gelassen werden.

Regierung Merkel entwirft Sechs-Punkte-Plan

Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg scheint nun getan: Die deutsche Bundesregierung will nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel einen Sechs-Punkte-Plan zur Wachstumsförderung in Europa einbringen. Bestandteile des Konzepts sind unter anderem Sonderwirtschaftszonen in den krisengeschüttelten Staaten sowie Arbeitsmarkt- und Ausbildungsreformen nach deutschem Vorbild. Damit erfüllt die Regierung Merkel auch eine Forderung der Opposition.

Denn ob mit oder ohne Griechenland in der Eurozone: Europas Wirtschaft sollte nicht nur in Deutschland brummen. Sonst droht auch hierzulande irgendwann ein böses Erwachen. Selbst wenn die gefühlte Stimmungslage bislang kaum darauf hindeutet.

[news.de] · 27.05.2012 · 08:30 Uhr
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