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Eurocontrol: Riesenaschewolke Premiere für Europa

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Brüssel (dpa) - Die riesige Aschewolke über Europa stellt die gemeinsame Flugsicherung der EU vor ein Problem, das es in der europäischen Luftfahrtgeschichte noch nie gab.

Die Flugsicherheits-Behörde Eurocontrol in Brüssel muss bei ihren Entscheidungen auf die Erfahrungen von Kollegen auf anderen Kontinenten zurückgreifen, sagt ihr Chef Brian Flynn in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Wie lange müssen Fluggäste noch mit Problemen rechnen?

Brian Flynn: «Das ist nur schwer vorherzusagen. Je nachdem, was der Vulkan noch ausspuckt und wie sich die Winde entwickeln, wird es weiterhin große Probleme geben. Außerdem muss man bedenken, dass die bisherigen Flugausfälle natürlich ihre Nachwirkungen haben. Von Normalität sind wir noch weit entfernt.»

Wieso kann man eigentlich die Wolke vom Boden aus nicht sehen?

Flynn: «Die Wolke hat eine viel größere Ausdehnung, als das mit bloßem Auge vom Boden aus sichtbar ist. Sie reicht über viele Länder. Und die Vorstellung, sie sei nur in ihrem Epizentrum gefährlich, ist falsch. Man darf sich das nicht wie eine Gewitterfront vorstellen.»

Weiß man, was passiert, wenn ein Flugzeug in eine Aschewolke steuert?

Flynn: «Es ist schon vorgekommen, dass Flugzeuge in vulkanische Aschewolken geflogen sind. Und das führte augenblicklich zu einem katastrophalen Ausfall aller Triebwerke. Es ist also gar keine Frage, dass es beim Aufziehen einer solchen Wolke klüger und sicherer ist, den Flugverkehr einzustellen.»

Gab es am Himmel über Europa schon einmal vergleichbare Situationen?

Flynn: «Nein. In Europa hat es noch niemals eine vulkanische Eruption gegeben, die zu solch einer großen Aschewolke führte. Wir hatten zwar schon Vulkanausbrüche in Europa, aber die Aschewolke ist dann immer recht schnell wieder verschwunden oder in eine Richtung gezogen, in der sie den zivilen Luftverkehr nicht behinderte.»

Aber auf welcher Basis treffen Sie dann Ihre Entscheidungen, wenn das Phänomen und seine Auswirkungen in Europa völlig unbekannt sind?

Flynn: «Wir stützen uns auf internationale Erfahrungswerte. Außerdem gibt es eine Reihe von Zentren in Europa - etwa in Portugal, Frankreich, Großbritannien, Island und Italien - die vulkanische Aktivitäten überwachen. Sie beobachten beispielsweise anhand von Satellitendaten die Entwicklung von Aschewolken und sind so in der Lage, die Ausbreitung äußerst genau zu verfolgen und vorherzusagen. Wir sind direkt an diese Prognose-Möglichkeiten angeschlossen.»

Lässt sich der wirtschaftliche Schaden der Ausfälle beziffern?

Flynn: «Ich bin nicht in der Lage, hier eine Zahl ins Spiel zu bringen, aber offensichtlich sind es außergewöhnlich hohe Kosten. Ein Beispiel: Wenn wir als Basis die Flugausfälle einer wirklich ungewöhnlich schlechten Wetterlage nehmen, dann reden wir jetzt über eine Situation, in der alles viermal so schlimm gekommen ist.»

Interview: Heiko Lossie, dpa

Vulkane / Luftverkehr / Island
16.04.2010 · 07:33 Uhr
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