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EU: Einfuhrsperren spanischer Gurken sind falsch

Supermarkt-Hinweis auf Gemüse aus SpanienGroßansicht

Brüssel (dpa) - Trotz EHEC-Krise hält die EU-Kommission Einfuhrsperren spanischer Gurken für unangemessen. Den Import bestimmter Produkte zu stoppen sei «unverhältnismäßig», sagte EU-Gesundheitskommissar John Dalli am Mittwoch in Brüssel.

«Es wäre auch nicht angemessen, Menschen von Reisen nach Hamburg abzuraten.» Er fügte hinzu, dass bisher kein EU-Land tatsächlich ein Einfuhrstopp umgesetzt habe. Einige, darunter Belgien, hatten dies aber angekündigt.

«Wir erleben seit Tagen eine ernste Krise», sagte Dalli. Das Problem könne aber schon dadurch gelindert werden, dass Menschen Hände und Rohkost gründlich waschen. Er erwartet bei der Suche nach der Infektionsquelle für den gefährlichen Durchfallerreger EHEC rasche Aufklärung aus Deutschland. «Der anfängliche Verdacht Deutschlands, Gurken aus Spanien könnten schuld sein, hat sich bisher nicht bestätigt.» Mehr Klarheit könne es aber erst geben, wenn die Ergebnisse der Boden-, Wasser- und Produktproben aus den Betrieben in Almeria und Malaga vorlägen - «spätestens Donnerstag», ergänzte er.

Beschuldigungen aus Madrid in Richtung Deutschland wollte Dalli nicht direkt kommentieren. Spanien hatte zuvor angekündigt, rechtliche Schritte gegen Behörden in Hamburg zu erwägen, da spanische Bauern Millionenverluste erlitten hätten. «Meines Wissens hat keiner gesagt, spanische Gurken dürften nicht mehr gegessen werden», sagte Dalli. Alles andere sei eine Frage der Interpretation. «Wir arbeiten Hand in Hand mit den Mitgliedsstaaten, um diesen Ausbruch zu beenden.»

Entschädigungen für Bauern seien generell denkbar, sagte Dalli. Er sei «besorgt» wegen der finanziellen Folgen für Gemüseproduzenten in Europa und arbeite daher eng mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos zusammen. Ciolos hatte zuvor angekündigt, rechtliche Möglichkeiten für Kompensationen betroffener Landwirte auszuloten. Es müsste von Fall zu Fall entschieden werden, hatte es geheißen.

Der Ausbruch des gefährlichen EHEC-Keims sei geografisch begrenzt, betonte Dalli. «Das Epizentrum der Infektionen ist Hamburg.» Positiv bewertete er, dass die Zahl neuer Infektionen zu sinken scheine. Das bislang keine Quelle identifiziert werden konnte, heiße nicht, dass die Rückverfolgbarkeit europäischer Gemüsetransporte mangelhaft sei. Problematisch sei dagegen, dass Menschen sich in Befragungen erinnern müssten, was und wo sie in den vergangenen Tagen gegessen haben.

In Deutschland wurden nach Angaben der EU-Kommission bisher 1169 EHEC-Fälle gezählt - die Behörden der Bundesländer sind zum Teil um einige Fälle voraus. Daraus seien 373 Menschen an dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt. Dieses kann zu schweren Komplikationen bei einer EHEC-Infektion führen.

In sieben weiteren EU-Ländern seien EHEC-Erkrankungen aufgetreten, außerdem zwei in der Schweiz und drei in den USA. Folgende EHEC-Erkrankungen seien einwandfrei nachgewiesen worden: Schweden 41 (davon 15 HUS), Dänemark 14 (davon 6 HUS), Frankreich 6 EHEC-Fälle, Großbritannien 3 Fälle (davon 2 HUS), Niederlande 7 (davon 3 HUS) und Österreich 2 EHEC-Fälle. In den meisten Fällen handele es sich um Menschne, die kurz zuvor in Deutschland gewesen seien.

Gesundheit / Infektionen / Agrar / Spanien
01.06.2011 · 15:59 Uhr
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