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Erzbischof Zollitsch verspricht Neuanfang

Robert Zollitsch hat die gegen ihn erhobene Vertuschungsvorwürfe in Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal in seiner Diözese zurückgewiesen.Großansicht
Freiburg/Mainz (dpa) - Die katholische Kirche hat am Karfreitag schwere Fehler im Umgang mit den Opfern der Kinderschänder aus ihren eigenen Reihen zugegeben.

Zugleich versprach der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, einen Neuanfang. Die Kirche habe den Opfern bisher zu wenig geholfen, sagte der Freiburger Erzbischof in einer Erklärung seiner Diözese. Der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann verurteilte Kinderschänder in seiner vorab verbreiteten Karfreitagspredigt in deutlichen Worten.

Österreichs katholische Kirche will einen Fonds für die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern einrichten. Dort waren wie in Deutschland jahrelang Kinder und Jugendliche von Geistlichen sexuell missbraucht worden.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der zugleich Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz ist, forderte in einem Zeitungsinterview eine Verschärfung der kirchlichen Leitlinien. Papst Benedikt XVI. ging im Petersdom zunächst nicht direkt auf die Krise wegen der Missbrauchsfälle ein. Er rief die Priester im allgemeinen auf, «in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Menschen des Friedens zu sein, der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen».

Die von der Bundesregierung berufene unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauchsfällen, Ex-Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), forderte schonungslose Offenheit bei der Bewältigung der Missbrauchsfällen an Kindern. Der «Sächsischen Zeitung» (Samstag) sagte sie, ihr Büro werde nächste Woche eine Post- und e-mail-Adresse sowie eine Telefonnummer bekanntgeben.

Frühere Heimkinder lehnen Mixas Gesprächsangebot ab

Zwei ehemalige Heimkinder lehnten das Gesprächsangebot des Augsburger Bischofs Walter Mixa zu Misshandlungsvorwürfen ab. Beide Frauen könnten in den Äußerungen des Geistlichen kein annehmbares Angebot zum Dialog erkennen, erklärten sie in einem Interview mit dem Onlinedienst «sueddeutsche.de». Sie hatten den Bischof in eidesstattlichen Erklärungen bezichtigt, vor rund 30 Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen (Bayern) bei kleinen Verfehlungen in dem dortigen Kinderheim St. Josef brutal zugeschlagen zu haben.

Insgesamt sechs ehemalige Heiminsassen haben Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer (1975-1996) die Anwendung körperlicher Gewalt vorgeworfen. Von «Ohrfeigen, Fausthieben und Hieben auf das nackte Gesäß» war dabei die Rede. Eine weitere Frau sagte nach Angaben des «Donaukuriers», sie sei im Firmunterricht von Mixa geschlagen worden und habe anschließend seinen Ring küssen müssen.

Mixa hat alle Vorwürfe von sich gewiesen und über das Ordinariat erklären lassen, sie seien «absurd und erfunden». Er habe nie Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» hat sich ein weiteres Ex- Heimkind gemeldet und erklärt, damals von Mixa geschlagen worden zu sein. Die katholischen Laienorganisation «Wir sind Kirche» forderte ihn auf, solange sein Amt ruhen zu lassen, bis alle Vorwürfe geklärt seien.

Zollitsch: Opfern wird mehr Gehör geschenkt

Zollitsch erklärte das frühere Verhalten der Kirche auch mit dem damaligen gesellschaftlichen Umfeld. Die Kirche gebe diesen Fehler zu und stelle sich ihm. Zukünftig gelte das Hauptaugenmerk der Kirche den Opfern. Es werde ihnen mehr Gehör geschenkt, unter anderem durch eine bundesweit geschaltete Telefon-Hotline für Missbrauchsopfer.

«Heute wird uns bewusst, dass in einer anderen gesellschaftlichen Situation durch die Enttäuschung über das schmerzliche Versagen der Täter und aus falsch verstandener Sorge um das Ansehen der Kirche der helfende Blick für die Opfer nicht genügend gegeben war», heißt es in der schriftlich verbreiteten Erklärung. «Auch das ist eine leidvolle Realität, der wir uns zu stellen haben.» Die Nachrichten über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Mitarbeiter der Kirche erfüllten die Kirche mit Trauer, Entsetzen und Scham.

Lehmann verurteilt Kinderschänder

Der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann, verurteilte Kinderschänder: «Sie schwächen und verraten das Evangelium Jesu Christi, der gerade die Kinder in die Mitte stellte.» In seiner Predigt befasste sich der Geistliche ausführlich mit dem Thema Verrat, vor allem mit dem Verrat «im Umkreis des Glaubens». «Er kommt bei Judas auf einen ersten, aber gewiss nicht den letzten Höhepunkt», sagte Bischof Lehmann.

Der Trierer Bischof Ackermann, sagte dem Berliner «Tagesspiegel» (Samstag): «Wenn es einen Missbrauchsfall gibt, muss ein forensisches Gutachten über den Täter erstellt werden, egal, ob der Fall verjährt ist oder nicht. Das müssen wir unbedingt in die Leitlinien der Bischofskonferenz aufnehmen», sagte Ackermann. Ob in jedem Fall eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft folgen solle, «das werden wir diskutieren müssen», sagte der Bischof.

Im «Hamburger Abendblatt» (Samstag) verwies der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, auf die guten Erfahrungen mit verheirateten Pfarrern und Pfarrerinnen. «Eine Pastorenfamilie tut dem gesamten Gemeindeleben gut.» Auf die Frage, warum aus der Evangelischen Kirche im Vergleich zur Katholischen so wenig über Missbrauch zu hören sei, sprach er von einem unterschiedlichen Umgang mit Sexualität.

Kriminalität / Kirchen
02.04.2010 · 19:05 Uhr
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