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Erstmals westlicher Journalist in Syrien getötet

Gilles JacquierGroßansicht

Kairo/Istanbul/Paris (dpa) - Dem Blutvergießen in Syrien fällt erstmals ein westlicher Journalist zum Opfer. Ein französischer Kriegsberichterstatter stirbt in Homs am Rande einer Demonstration von Anhängern des Regimes. Die Arabische Liga will vorerst keine Beobachter mehr ins Land schicken.

Der Franzose Gilles Jacquier, langjähriger Kriegsberichterstatter des Fernsehsenders France 2, starb nach syrischen Regierungsangaben am Mittwoch durch Granatsplitter. Er gehörte zu einer Gruppe von ausländischen Reportern, die auf Einladung der Regierung an einer Demonstration von Regimeanhängern in der Protesthochburg Homs teilgenommen hatte. Bei dem Granatbeschuss seien auch acht Syrer getötet worden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy drückte seine Abscheu über die Tat aus. Außenminister Alain Juppé verurteilte die Tat und verlangte eine Aufklärung der Todesumstände. In einer Erklärung forderte er die syrische Führung zudem auf, für die Sicherheit ausländischer Journalisten zu sorgen und die Pressefreiheit zu schützen.

Ein Team des belgischen TV-Senders VRT blieb laut belgischen Medien bei dem Anschlag unversehrt. Ein freiberuflicher Journalist aus den Niederlanden wurde mit leichten Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht, berichteten niederländischer Medien.

Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, bei den Tätern handele es sich um «bewaffnete Terroristen». Das ist die seit Monaten gängige Bezeichnung des Regimes für die Protestbewegung. Aktivisten aus Homs erklärten dagegen am Abend, die Attacke sei von regimetreuen Truppen ausgegangen. Diese schreckten vor keiner Grausamkeit zurück, um der Weltöffentlichkeit ihre Theorie vom Aufstand «terroristischer Banden» zu verkaufen.

Der getötete Fernsehjournalist arbeitete nach IPI-Angaben seit 1999 für France 2 in Konfliktgebieten wie Afghanistan, dem Irak und im Kosovo. «Sein Tod ist eine tragische Erinnerung an die ständigen Gefahren, denen Journalisten bei der Berichterstattung in Konfliktgebieten ausgesetzt sind», heißt es in einer Erklärung. Das Presseinstitut forderte alle Parteien in Syrien auf, das Recht von Journalisten auf freie und sichere Arbeit zu gewährleisten.

Seit Beginn des Aufstandes gegen das Regime von Assad im März 2011 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 5000 Menschen getötet worden. Syrische Menschenrechtsaktivisten sprechen indessen von mehr als 6000 Toten. Syrien hatte monatelang westlichen Korrespondenten die Berichterstattung verweigert. Wegen der fortwährenden Kritik lockerte das Regime in den vergangenen Wochen die Medienblockade. Allerdings dürfen westliche Journalisten nicht frei durch Syrien reisen.

Die Arabische Liga kündigte am Mittwochabend an, vorerst keine Beobachter mehr nach Syrien zu schicken. Zuvor hatte sich der Algerier Anwar Malik unter Protest aus dem Einsatz zurückgezogen. Er sagte dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira, die Beobachter gäben Assad die Gelegenheit, noch mehr Menschen zu töten. Es würden auch Kinder getötet. Die Demonstrationen seien friedlich.

Assad tauchte am Mittwoch kurz und unangekündigt auf einer Kundgebung von Anhängern in Damaskus auf. Den Tausenden von Demonstranten rief er auf dem Ummayaden-Platz in Damaskus zu, der Sieg der Syrer über die ausländischen «Verschwörer» stehe bald bevor. Er sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana: «Ich will mit euch sein, denn ich bin ein Sohn dieser Straße, und wer zu den Menschen auf der Straße sprechen will, der muss bei ihnen sein.»

Die Bundesregierung machte sich am Mittwoch erneut dafür stark, dass der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu Syrien verabschiedet. Bedauerlicherweise habe Assad kein Einlenken erkennen lassen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. «Es braucht jetzt vor allem ein klares und sehr einiges Vorgehen im UN-Sicherheitsrat.» Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte: «Das war eine sehr enttäuschende Rede, und es war eine Rede der verpassten Chancen.»

Assad hatte am Dienstag erklärt, er wolle weiter mit harter Hand gegen die «Terroristen» vorgehen. Er denke nicht an Rücktritt. Der Aufstand gegen sein Regime sei eine Verschwörung ausländischer Mächte.

Derweil ignorieren Russland und der Iran ein Waffenembargo des Westens und liefern weiter Militärmaterial an das syrische Regime. Vor der Küste Zyperns wurde ein Schiff gestoppt, das 60 Tonnen Munition aus Russland nach Syrien bringen sollte. Die Türkei hielt an der Grenze zu Syrien verdächtige Lastwagen aus dem Iran auf, die nach Berichten lokaler Medien mit Waffen beladen waren. Russland ist neben dem Iran der wichtigste Verbündete des Assad-Regimes

Konflikte / Syrien
11.01.2012 · 21:46 Uhr
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