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Erstes Urteil vor Rote-Khmer-Völkermordtribunal

Der Chef des berüchtigten Foltergefängnis S-21, Duch, alias Kaing Guek Eav im Gerichtssaal während seines Prozesses vor dem Völkermordtribunal (Archivfoto vom 27.11.2009).Großansicht

Phnom Penh (dpa) - Mehr als 30 Jahre sind seit den Gräueltaten der Roten Khmer in Kambodscha vergangen. Heute wird erstmals einer der Hauptverantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Der frühere Mathematiklehrer Kaing Guek Eav (67) leitete das Foltergefängnis S-21, wo auf seinen Befehl mehr als 12 000 Menschen gefoltert und ermordet wurden. Er tauchte unter, als die Vietnamesen die Roten Khmer im April 1979 vertrieben und wurde erst 1999 von einem Journalisten aufgespürt.

Duch ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. «Ich bin allein und voll verantwortlich für den Tod von 12 000 Menschen», sagte er in seinem Schlussplädoyer. Zum Erstaunen des Gerichts verlangte er aber dann überraschend seine Freilassung. Sein Anwalt argumentierte, er habe nur Befehle befolgt.

Die Roten Khmer wollten eine ultrakommunistische Agrargesellschaft verwirklichen. Sie zwangen die Städter auf das Land und schafften das Geld ab. Wer Regimeführer Pol Pot nicht bedingungslosen Gehorsam leistete, wurde liquidiert. Durch Hungersnöte, Seuchen, Folter und Mord kamen mindestens 1,7 Millionen Menschen um.

Jahrzehnte lebten die Verantwortlichen unbehelligt in der Provinz, weil in Kambodscha Bürgerkrieg tobte und das Land international zum Spielball der Weltmächte wurde. Pol Pot starb unbehelligt 1998. Außer Duch sind vier weitere frühere Kader angeklagt und in Untersuchungshaft. Sie sind betagt, ihr Prozesse beginnt frühestens nächstes Jahr und ob sie die Urteile noch erleben, ist ungewiss.

Prozesse / Geschichte / Kambodscha
26.07.2010 · 06:53 Uhr
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