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Erstes Atomkraftwerk im Iran offiziell eröffnet

Atomkraftwerk Buschehr im IranGroßansicht

Moskau/Teheran (dpa) - Der Iran hat im internationalen Dauerkonflikt um sein Atomprogramm mit russischer Hilfe sein erstes Kernkraftwerk in Betrieb genommen.

In der Hafenstadt Buschehr brachten russische Nuklearexperten die ersten der insgesamt 163 Brennstäbe in den Reaktor, wie die Agentur Interfax meldete. Für die Führung in Teheran ist der Start der Anlage ein wichtiges politisches Signal. Der Chef des russischen Atomkonzerns Rosatom, Sergej Kirijenko, schloss bei der Zeremonie am Persischen Golf einen Missbrauch der Anlage zur Waffenproduktion aus.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte die erstmalige Ausrüstung des iranischen Atomkraftwerks mit Kernbrennstoff aus Russland. Die Kontrollbehörde werde den Meiler auch in Zukunft regelmäßig inspizieren, teilte ein IAEA- Sprecher in Wien mit. Buschehr soll nach jahrzehntelangen Verzögerungen Ende 2010 erstmals Atomstrom produzieren.

Kritiker werfen dem Iran vor, das Spaltmaterial von Buschehr auch zu militärischen Zwecken nutzen zu wollen. «Alle Experten wissen, dass dies (wegen der ständigen Kontrolle durch die IAEA) nicht möglich ist», sagte Kirijenko. Aus Washington gab es am Samstag zunächst keine Reaktion auf das Buschehr-Projekt. Moskau hatte wiederholt darauf verwiesen, dass die Fertigstellung des ersten iranischen Atomreaktors ausdrücklich von der US-Regierung begrüßt werde. Experten sehen keine große Gefahr, dass mit Hilfe des Leichtwasserreaktors waffenfähiges Plutonium erzeugt wird.

Der iranische Atomchef Ali Akbar Salehi sprach in Buschehr von einem «historischen Tag». Laut Rosatom soll das Beladen mit Brennstäben spätestens am 5. September abgeschlossen sein. Der in den 1970er Jahren mit westdeutscher Hilfe begonnene Leichtwasserreaktor soll im November ans Netz gehen und spätestens im März seine Maximalleistung von 1000 Megawatt erreichen.

«Auf den Fundamenten, die deutsche Ingenieure vor mehr als 30 Jahren zu legen begannen, haben Experten aus beiden Ländern ein einzigartiges Projekt geschaffen», sagte Kirijenko. Russland wolle die Anlage in den nächsten drei Jahren komplett in iranische Hände geben. Der Rosatom-Chef kündigte bei der Eröffnung auch an, dass Russland künftig Atomteilchen («medizinische Isotope») zur Behandlung von Krebspatienten an den Iran liefern werde. Bisher hatte Teheran diese in einem Forschungsreaktor selbst herstellt. Ali Akbar Salehi dankte Kirijenko für die Fertigstellung von Buschehr. «Damit hat sich Russland unauslöschbar in die Geschichtsbücher des Iran eingetragen.»

Die Eröffnung des Meilers verdeutliche die Entschlossenheit von Teheran, sein «friedliches Atomprogramm» trotz der Ablehnung durch den Westen fortzuführen, unterstrich Salehi. Jedoch wolle der Iran den Bau weiterer Atomanlagen «nicht überstürzen». Buschehr ist nicht Bestandteil der Sanktionen, die der Weltsicherheitsrat im Juni mit der Stimme Russlands gegen Teheran verschärft hatte. «Auch die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland bestätigen, dass die Anlage in keiner Beziehung zum Militärprogramm des Irans steht», betonte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Michail Margelow, am Samstag in Moskau.

1974 hatten vor allem deutsche Ingenieure mit dem Bau der Anlage begonnen. Nach der Islamischen Revolution von 1979 verweigerte der Westen der neuen Führung in Teheran die Zusammenarbeit. Der Iran einigte sich schließlich 1995 mit Russland auf den Weiterbau des Blocks. Der Vertrag hat einen Umfang von einer Milliarde US-Dollar.

Atom / Konflikte / Iran / Russland
21.08.2010 · 20:16 Uhr
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