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Erste Warnstreikwelle trifft Bahnverkehr hart

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Berlin/Köln (dpa) - Eine erste Warnstreikwelle bei der Bahn und ihren privaten Konkurrenten hat Hunderttausende Reisende getroffen. Die Protestaktionen der Gewerkschaften Transnet und GDBA waren auf den Regionalverkehr gemünzt. Sie behinderten aber auch den Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) massiv.

Der Konzern berichtete von «mehreren hundert Zugausfällen». Die Schwerpunkte der Arbeitsniederlegungen lagen in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen.

Insgesamt seien rund 1700 Eisenbahner für das Ziel einheitlicher Tarife bei allen Bahnunternehmen im Ausstand gewesen, sagte Transnet- Sprecher Michael Klein am Dienstag in Berlin: «Wir haben mit wenig Leuten eine große Wirkung erzielt.»

Eine Entspannung der Lage ist vorerst nicht in Sicht. Zwar wollen die Gewerkschaften bis Freitag keine weiteren Warnstreiks folgen lassen. Einen Termin für neue Verhandlungen mit den sechs großen privaten Bahnunternehmen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn gibt es aber noch nicht.

Das bisherige Angebot der Privatbahnen für einen Tarifvertrag für alle Unternehmen des regionalen Schienenverkehrs hatten Transnet und GDBA als zu niedrig abgelehnt. Es liege um 20 Prozent unter DB- Niveau.

Ein Sprecher der Privatbahnen sagte, man hoffe dennoch, sich jetzt bald wieder am Verhandlungstisch zu treffen. Das Angebot, ein Schlichtungsverfahren in Gang zu setzen, gelte weiterhin. Transnet und GDBA lehnten dies erneut ab. Mit der Deutschen Bahn treffen sich die Gewerkschaften am Freitag in Frankfurt zu Verhandlungen.

Der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner sagte bei einer Kundgebung am Kölner Hauptbahnhof: «Wir wollen den Arbeitgebern signalisieren, dass wir es ernst meinen.» Sollten sich die Bahnunternehmen nicht ernsthaft bewegen, drohten weitere Arbeitsniederlegungen. Notfalls werde es auch eine Urabstimmung und einen regulären Streik geben - dann werde der Verkehr ganz lahmgelegt.

Das Management der Deutschen Bahn zeigte sich verwundert, wie massiv mit den Aktionen in den Zugverkehr eingegriffen worden sei. Das bundeseigene Unternehmen sei der falsche Adressat für den Warnstreik, sagte das für den Personenverkehr zuständige Vorstandsmitglied Ulrich Homburg.

Der Warnstreik sei «unangemessen und unverhältnismäßig», beklagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Der Konzern sei zu einem Branchentarifvertrag bereit und habe bereits ein Angebot vorgelegt. Danach könnte das Einkommensniveau der Branche um fünf Prozent unter dem des DB-Konzerns liegen. Die DB wäre dann zugleich bereit, auch Mitarbeitern neu gegründeter Regionaltöchter Gehälter auf DB-Niveau zu zahlen, sagte Weber in Berlin.

Im derzeitigen Tarifstreit geht es letztlich um das Einkommen von rund 3500 Eisenbahnern, die bei DB-Konkurrenten arbeiten und deutlich weniger verdienen als 90 Prozent der Kollegen im Regionalverkehr. Insgesamt sind mehr als 10 000 Beschäftigte bei Privatbahnen in Deutschland angestellt.

In der laufenden Tarifrunde sprechen die Beteiligten zunächst über einen Branchentarifvertrag. Anschließend soll über die Einkommen von etwa 135 000 DB-Beschäftigten verhandelt werden. Der dritte Komplex betrifft den Kündigungsschutz. Der geltende Tarifvertrag über eine Beschäftigungssicherung für rund 165 000 DB-Beschäftigte läuft Ende dieses Jahres aus. Unabhängig von Transnet und GDBA strebt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einen Branchentarifvertrag für alle 20 000 Lokführer an.

Allein in Nordrhein-Westfalen waren nach Gewerkschaftsangaben 500 bis 600 Eisenbahner im Warnstreik. Weil viele Pendler auf das Auto umstiegen, bildeten sich im bevölkerungsreichsten Bundesland auf den Autobahnen Staus von 125 Kilometern Länge. Normal seien an einem Dienstag 60 Kilometer, erklärte ein Sprecher der Verkehrsleitstelle. Zu erheblichen Behinderungen kam es im Kölner Hauptbahnhof, wo von 7.00 Uhr an vorübergehend kein Zug mehr fuhr, sowie auf den Fernstrecken von Köln über das Ruhrgebiet nach Hannover und Berlin.

Auch zahlreiche ICE-Strecken von Frankfurt/Main nach Stuttgart, Basel, Leipzig, Dresden, Berlin und Hamburg seien wegen des Streiks «weitgehend unterbrochen» gewesen, teilte die Bahn mit, ebenso die ICE-Strecke München-Nürnberg.

Die Bahn rechnete damit, dass es noch bis zum späten Dienstagabend zu Behinderungen kommen könnte. Grund dafür sei, dass am Morgen bestreikte Züge erst nach einigen Stunden an ihren Einsatzorten zur Verfügung stehen. Reisende sollten sich unter der kostenlosen Rufnummer 08000/996633 oder online unter http://www.bahn.de/aktuell über die Streikauswirkungen informieren.

Tarife / Verkehr / Bahn
26.10.2010 · 20:42 Uhr
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