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Erste Aussage im Eislinger Vierfachmord-Prozess

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Ulm/Eislingen (dpa) - Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat einer der beiden Angeklagten erstmals ausgesagt. Der 19-Jährige wollte sich am Donnerstag aber nur hinter verschlossenen Türen zu den Einbrüchen und Diebstählen äußern, die ihm ebenfalls vorgeworfen werden.

Das Verfahren vor dem Landgericht Ulm wurde deshalb unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Die beiden 19-Jährigen haben laut Staatsanwaltschaft die Eltern und Schwestern eines der Angeklagten aus Habgier mit 30 Schüssen ermordet.

Nach Angaben des Anwaltes des Sohnes der getöteten Familie, Hans Steffan, sei der 19-Jährige bei seiner Aussage ruhig und konzentriert gewesen. Die beiden Angeklagten hätten die Einbrüche aus Abenteuerlust begangen, fügte der Schulfreund nach Darstellung des Anwalts hinzu. So hätten sie Zigaretten gestohlen, obwohl sie beide gar nicht rauchten.

Auf Antrag seines Verteidigers waren die zur Verhandlung zugelassenen Journalisten aus dem Saal geschickt worden. Nur die Eltern durften als Zuschauer die Aussage verfolgen. Der 19-Jährige muss sich seit Montag zusammen mit dem gleichaltrigen Sohn der getöteten Familie aus Eislingen (Baden-Württemberg) vor Gericht verantworten.

Die Verteidiger hatten zum Prozessauftakt am Montag Geständnisse der Angeklagten angekündigt. Anwalt Klaus Schulz bestritt am Donnerstag weitere Mordpläne der Schulfreunde. Laut Medienberichten wollten die beiden auch die Eltern des anderen umbringen. «Das halte ich für Quatsch», sagte Schulz der dpa.

«Stern.de», die Online-Ausgabe des Magazins «Stern», hatte unter Berufung auf Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ulm berichtet, dass der Sohn der getöteten Familie dies im Gefängnis erzählt habe. Die Anklagebehörde wollte sich dazu nicht äußern.

Die beiden Angeklagten sollen in der Nacht zum Karfreitag die Eltern und Schwestern aus Habgier mit 30 Schüssen ermordet haben. Laut Anklage wollte der damals 18-jährige Sohn 256 000 Euro seiner Mutter alleine erben. Die Anwälte bestreiten dieses Motiv jedoch. Klaus Schulz, Verteidiger des angeklagten Schulfreundes, sagte am Donnerstag, dass die beiden jungen Männer während der Ermittlungen noch nicht einmal danach gefragt worden seien, ob sie eine finanzielle Motivation hatten.

Laut Anklage hatten die jungen Männer im Oktober 2008 beim Einbruch in ein Schützenheim 17 Waffen gestohlen - darunter die beiden Tatwaffen. Im Sommer 2007 sollen die beiden jungen Männer in eine Schule eingebrochen sein und dort einen Computer und einen Beamer gestohlen haben. Den Computer sollen sie Stunden vor dem Mord in einen Bach geworfen haben, weil sie damit rechneten, dass der Diebstahl durch die Mordermittlungen der Polizei aufgedeckt werde. Im gleichen Sommer sollen sie zweimal in das Vereinsheim eines Sportvereins eingebrochen sein. Im Herbst 2008 stiegen sie laut Anklage in einen Supermarkt ein und stahlen Geld und Schnaps.

Der Prozess wird laut Gericht am 4. November fortgesetzt. An diesem dritten Verhandlungstag soll dann beiden Angeklagten weiter Gelegenheit gegeben werden, sich zu äußern. Zeugen sollen noch nicht vernommen werden.

Prozesse / Kriminalität
15.10.2009 · 19:56 Uhr
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