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Erste Auseinandersetzungen bei Castor-Protest

Die Polizei setzt in Metzingen Wasserwerfer gegen Atomkraft-Gegner ein, die als Protest gegen den Castor-Transport die Bundestraße 216 blockieren. Foto: Julian StratenschulteGroßansicht

Gorleben/Paris (dpa) - Begleitet von Protesten und massiven Sicherheitsvorkehrungen hat der Castor-Transport mit hoch radioaktivem Atommüll kurz vor der deutschen Grenze einen Zwischenstopp eingelegt.

Am Abend hatte sich der Zug bis auf wenige Kilometer der deutschen Grenze genähert. Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen werden die elf Spezialbehälter nach dem Stopp voraussichtlich am Freitag weiter durch Deutschland ins Zwischenlager Gorleben fahren. Eine offizielle Bestätigung gibt es aus Sicherheitsgründen nicht.

Im niedersächsischen Wendland kam es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. In dem Örtchen Metzingen - rund 30 Kilometer von Gorleben entfernt - wurden zwei Wasserwerfer eingesetzt. Atomkraftgegner warfen bei einer Straßenblockade Steine, Farbbeutel und Böller. Nach Angaben von Rettungskräften wurden rund ein Dutzend Demonstranten verletzt. Die Polizei sprach zudem von sieben verletzten Beamten. Eine Vielzahl dieser Demonstranten seien als gewaltbereit einzustufen, sagte Polizeisprecher Kai Richter. Außerdem habe es fünf Festnahmen gegeben.

Atomkraftgegner kündigten im Wendland weitere Protestaktionen an den Schienen an, um den Castor-Transport aufzuhalten. Auch zahlreiche Künstler, darunter der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, unterzeichneten einen Aufruf, in dem sie den Salzstock Gorleben als ein mögliches Atomendlager in Deutschland ablehnen.

In Nordhessen verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf Signalanlagen der Bahn. Die Flammen beschädigten Leitungen, die für die Steuerungen von Signalen und Weichen zuständig sind. Die Polizei prüft, ob der Anschlag mit dem erwarteten Atomtransport zusammenhängt.

Am Donnerstagvormittag erreichte der Atommüll-Zug die französische Gemeinde Rémilly rund 65 Autokilometer südwestlich von Saarbrücken. Ein französischer Greenpeace-Sprecher erklärte, das ungewöhnlich große Polizeiaufgebot in Rémilly könne auf einen längeren Halt hindeuten. Offenbar sollten dort auch das Zugpersonal und die Lokomotive ausgetauscht werden. Am Donnerstag protestierten Atomkraftgegner in Rheinland-Pfalz und Hessen friedlich an möglichen Streckenabschnitten gegen den Atomzug. Im pfälzischen Berg versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 250 Demonstranten.

Bereits am Mittwoch hatte es in Frankreich erhebliche Proteste gegen den Castor-Transport gegeben. Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas gegen Atomkraftgegner ein, die in Sperrzonen vordringen wollten. 16 Demonstranten wurden festgenommen. Mindestens drei Menschen - darunter ein Gendarm - wurden leicht verletzt. Die nächtliche Fahrt verlief ohne große Störungen.

Auch im Saarland richteten sich nach dpa-Informationen die Sicherheitskräfte auf die Ankunft des Zuges am Freitagmittag ein. Wenn der Zug die Strecke Richtung Saarbrücken nimmt, würde er über Neunkirchen Richtung Rheinland-Pfalz weiterfahren. In der saarländischen Stadt würden dann voraussichtlich deutsche Polizisten die Transport-Bewachung von den französischen Kollegen übernehmen. Andere mögliche Routen führen von Frankreich aus über das pfälzische Berg oder Kehl in Baden-Württemberg.

Der Transport bringt deutschen Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague nach Gorleben in Niedersachsen. Greenpeace und andere Organisationen halten den Salzstock an der früheren DDR-Grenze im niedersächsischen Wendland für zu unsicher, um hier den Müll für immer in rund 800 Metern Tiefe zu lagern. Seit vielen Jahren gibt es daher Proteste gegen Castor-Transporte in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager, wo der Müll bis zur Endlagerung abkühlen soll.

Der laufende Transport ist der letzte mit hoch radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente in Frankreich Richtung Gorleben. Bundesregierung und Energieversorger hatten sich bereits vor Jahren darauf verständigt, vom 1. Juli 2005 an keine abgebrannten Brennelemente wieder aufarbeiten zu lassen. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen.

Atom / Transporte / Gorleben
24.11.2011 · 22:48 Uhr
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