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Erschöpfung bei Piraten: Zwei Pressesprecher geben auf

Flagge der PiratenparteiGroßansicht

Berlin (dpa) - Der Erfolg der Piratenpartei in Deutschland frisst seine Kinder. Aus dem dreiköpfigen Presseteam der Bundespartei haben zwei die Brocken hingeschmissen. Ein Rücktrittsbrief klingt dramatisch: «Ich kann nicht mehr, bin für den Moment müde, ausgepowert und erschöpft!»

Zunächst legte am Freitag Parteisprecher Christopher Lang sein Amt nieder. In einem offenen Brief an den Bundesvorstand begründete Lang seinen Schritt mit einer Überlastung durch die bislang ehrenamtlich wahrgenommene Aufgabe. Danach legte auch sein Stellvertreter Aleks Lessmann sein Amt nieder.

Damit bleibt aus dem dreiköpfigen Presseteam der Piratenpartei nur noch Anita Möllering übrig, die im April ihre Arbeit als Bundespressesprecherin aufgenommen hatte. Der Bundesvorstand kündigte an, für das Presseteam vier ehrenamtliche Stellen neu auszuschreiben, um «die gestiegenen Belastungen auf mehr Schultern zu verteilen».

Lang forderte eine Professionalisierung seiner Partei: «Wir brauchen mehr bezahltes und im selben Zuge fachlich qualifiziertes Personal, um die stetig steigenden Anforderungen abzudecken». In dem in einem Wiki veröffentlichen Schreiben heißt es weiter: «Ich kann nicht mehr, bin für den Moment müde, ausgepowert und erschöpft!». Lang betonte, er wolle künftig ein geplantes Studium nicht weiter hinausschieben und werde sich intensiver auf seine Familie, Freunde und das nicht-politische Leben fokussieren.

Lessmann begründete seinen Rückzug aus der Pressearbeit für den Bundesverband mit dem Schritt von Lang: «Criss hat die Arbeit mit Professionalität und konstruktivem Verhalten geprägt. Dieser immens wichtige Teil der Pressearbeit fällt jetzt weg.»

Die Rücktritte von Lang und Lessmann werfen ein Licht auf ein generelles Problem der Piratenpartei, in der selbst der Bundesvorsitzende Bernd Schlömer nur ehrenamtlich für die Partei arbeitet. Schlömer verdient sein Geld als Regierungsdirektor im Bundesverteidigungsministerium und darf sich während seiner Dienstzeit nicht um die Parteiarbeit kümmern.

Zuletzt hatte sich die ehemalige Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband zurückgezogen, weil sie «vollkommen erschöpft» war und sie «medial sehr im Mittelpunkt» gestanden habe. «Das hat niemand vorhersehen können. Deshalb brauche ich jetzt erstmal eine Pause», sagte sie in einem Interview.

Möllering sagte der dpa, sie bedaure die Entscheidung der Kollegen Lang und Lessmann sehr. «Das ist ein tiefer Einschnitt für die Pressearbeit der Piratenpartei. Dennoch müssen wir jetzt nach vorne schauen und auch die Chancen, die in einer neuen Situation stecken, sehen.» Der Bundesvorstand werde an diesem Wochenende auch über einen «Neustart» der Pressearbeit bei den Piraten beraten. Dabei werde auch eine mögliche stärkere Professionalisierung debattiert werden.

Parteien / Piratenpartei / Personalien
01.06.2012 · 15:53 Uhr
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