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Ernst und Lötzsch wollen Lafontaines Kurs fortsetzen

Lötzsch, Lafontaine und ErnstGroßansicht
Rostock (dpa) - Die Linke setzt künftig auf eine Mann-Frau und eine Ost-West-Lösung. Gesine Lötzsch und Klaus Ernst wurden beim Parteitag in Rostock mit Wahlergebnissen von 92,8 und 74,9 Prozent mit einem deutlichen Vertrauensvorschuss ausgestattet.

Das im Januar noch anders aus, als die Ost-Berlinerin und der Bayer von Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi als designiertes Führungsduo vorgestellt wurden.

Gerade viele ostdeutsche Mitglieder nahmen es Ernst übel, dass er Stimmung machte gegen den geschätzten Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, dem Illoyalität gegen Lafontaine vorgeworfen wurde - in den vergangenen Wochen gab Ernst sich aber als Versöhner und betont angesichts der Euro-Krise: «Eine starke Linke ist heute nötiger denn je». Am Markenkern der Linken - Nein zu Hartz IV, Keine Rente mit 67, Regulierung der Finanzmärkte und Raus aus Afghanistan - soll nicht gerüttelt werden. Wer sind die beiden, die «Lafos» schweres Erbe antreten und die die neuen Gesichter der Partei sind?

KLAUS ERNST (55): Der Fraktions- und Parteivize ist nicht nur wegen der Bartsch-Affäre umstritten, bisher galt er als oft zu wenig integrativ. Der Gewerkschafter aus Bayern bekam 2008 bei der Wahl zum stellvertretenden Parteichef mit 59,2 Prozent nicht gerade ein Traumergebnis. Der Porsche-Fahrer («Ich habe keine Kinder, ich habe kein Haus, und ich hatte als Gewerkschaftssekretär mit der Firma Porsche zu tun. Da habe ich mir vor zehn Jahren ein solches Auto geleistet») ist für die Linke eine wichtige Brücke zu den Gewerkschaften und Vertrauter von Oskar Lafontaine.

Bekannt ist er für seinen Humor. Als beim Linke-Parteitag um 21.45 Uhr der Bierausschank eingestellt wurde, stichelte er: «Das hätte es unter Honecker aber nicht gegeben.» Ernst war unter anderem Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Schweinfurt. Die lief dort zu Zeiten von Rot-Grün Sturm unter anderem gegen Hartz IV und Agenda 2010. Ernst und andere Funktionäre verließen die SPD und gründeten die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG), die 2007 mit der PDS zur Linken fusionierte. Gysi betont, ohne Ernst hätte es zu der Fusion so nicht kommen können. Seit 2005 sitzt Ernst im Bundestag und ist dort Fraktionsvize. Er will das Ziel einer «Gesellschaft der Freien und Gleichen» verwirklichen.

GESINE LÖTZSCH (48): Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende war einem größeren Publikum bisher kaum bekannt. Bei den Bundestagswahlen 2002, 2005 und 2009 holte sie das Direktmandat in Berlin-Lichtenberg. Da 2002 die PDS an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, saßen sie und Petra Pau allein für ihre Partei im Bundestag. Ihre politische Karriere startete Lötzsch zu DDR-Zeiten: 1984 trat sie in die SED ein. Nach der Wende folgte der Wechsel in die PDS, wo sie bis 1993 an der Spitze der Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus stand. Zuletzt ließ sie Stasi-Vorwürfe gegen ihren Mann abperlen.

Seit 2005 ist die promovierte Germanistin haushaltspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Bundestag und als Expertin auch bei anderen Parteien angesehen. Zuletzt setzte sie sich für eine scharfe Regulierung der Finanzmärkte ein. «Die Spekulanten, meine Damen und Herren, sind Taliban in Nadelstreifen», sagte sie im Bundestag, was ihr eine Rüge einbrachte. Ihre Aufgabe in der Partei sieht sie darin, das Zusammenwachsen der Ost- und Westteile zu stärken. Dafür müssten parteiinterne Auseinandersetzungen mitunter hinten an stehen. Und sie betont: «Wir wollen das Land wirklich verändern.»

Parteien / Linke / Parteitag
16.05.2010 · 08:35 Uhr
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