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Erneut Rockerclub in NRW verboten

'Hells Angels'-RockerGroßansicht

Köln (dpa) - Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat erneut zwei Rockerclubs verboten. Dieses Mal ist er gegen die Hells Angels in Köln vorgegangen. Mehr als 800 Polizisten, darunter nahezu sämtliche NRW-Spezialeinheiten, waren dabei im Einsatz.

Bei den massiven Kontrollen im Rockermilieu seien in den vergangenen Monaten genügend Beweise entdeckt worden, die ein Vereinsverbot rechtfertigten, sagte Jäger am Donnerstag in Düsseldorf. In der vergangenen Woche hatte Jäger einen Club der rivalisierenden Rockerbande Bandidos in Aachen verboten.

Der Club «Hells Angels MC Cologne» und der Unterstützerclub «Red Devils MC Cologne seien verboten und aufgelöst worden. «Sie setzen in Köln ihre Gebiets- und Machtansprüche brutal mit Bedrohung, Erpressung und Gewalt gegen andere durch. Das dulden wir nicht», sagte Jäger. Am Donnerstagmorgen durchsuchten Polizisten die Clubhäuser auf dem Vereinsgelände in Frechen bei Köln und 32 Wohnungen der Rocker in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Wegen der Gefährlichkeit der Rocker seien deren Wohnungen ausschließlich von Spezialkräften der Polizei durchsucht worden. In Rheinland-Pfalz hatte ein Hells-Angels-Rocker vor zwei Jahren einen Polizisten durch die geschlossene Haustür erschossen. Der Bundesgerichtshof wertete das als Notwehr, weil der Mann an einen Überfall einer gegnerische Gruppe glaubte.

Festnahmen habe es am Donnerstag nicht gegeben, diese seien aber auch nicht beabsichtigt gewesen, sagte Jäger. Die Rocker hätten auch keinen Widerstand geleistet. Die Polizei stellte 4000 Euro Bargeld, einen scharfen Revolver, eine scharfe Pistole, Munition, ein Vorderlader-Gewehr, fünf Luftdruckgewehre, sieben Gasrevolver, drei Samuraischwerter, vier Macheten, zehn Einhandmesser, ein Tomahawk, zwei Morgensterne, 20 Schlagstöcke, zwei Teleskopschlagstöcke, sechs Baseballschläger, Pfefferspray, 26 Kutten (Vereins-Jacken) und 28 Ampullen mit Testosteron sicher.

Allein für das Vereinsgelände seien sechs Container zum Abtransport beschlagnahmter Gegenstände angefordert worden. Auch ein Lastwagen und mehrere weitere Fahrzeuge seien beschlagnahmt worden.

Jäger zeigte sich zuversichtlich, dass das Verbot vor Gericht Bestand haben werde. Der SPD-Politiker trat dem Eindruck entgegen, die Großaktion habe etwas mit der bevorstehenden Landtagswahl zu tun: «Polizei und Innenministerium stellen die Arbeit nicht ein, nur weil Wahlen anstehen.» Das am Donnerstag verhängte Verbot sei schon lange vor der Auflösung des Landtags vorbereitet, der Fahndungsdruck lange zuvor erhöht worden.

Unter dem Deckmantel eines Vereins werde von den Rockern organisierte Kriminalität betrieben, so Jäger. Die Rocker beherrschten mit dem Türsteher-Geschäft vor Clubs und Diskotheken den Drogenverkauf in den Nachtclubs und nähmen so Schutzgeld von den Betreibern ein. Außerdem seien sie im Geschäft mit der Prostitution und im Waffenhandel aktiv.

Gegen die Hells Angels sind bereits mehrere Bundesländer mit Verboten regionaler Gruppen vorgegangen. Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Sie sind zumeist in lokalen Vereinen organisiert. Auch das Düsseldorfer Chapter der Hells Angels ist seit Jahren verboten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßte das Verbot des Kölner Chapters: «Die Polizei muss deutlich machen, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt und sich nicht von Rockerclubs untereinander aufteilen lässt.»

Kriminalität
03.05.2012 · 14:08 Uhr
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