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Erneut Menschenrechtler im Nordkaukasus ermordet

Trauer in GrosnyGroßansicht
Grosny/Moskau/Berlin (dpa) - Im russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus haben Unbekannte zum zweiten Mal innerhalb eines Monats Menschenrechtler entführt und ermordet. Die Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa und ihr Mann wurden in Tschetschenien mit Schusswunden tot im Kofferraum eines Autos gefunden.

Das teilte die Organisation Memorial nach Angaben der Agentur Interfax mit. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zeigte sich bestürzt. Erst Mitte Juli war die tschetschenische Bürgerrechtlerin Natalia Estemirowa getötet worden. Ebenfalls im Nordkaukasus wurde am Dienstag ein Journalist ermordet. Der Reporter einer Lokalzeitung wurde am Rande der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala erschossen in seinem Auto gefunden.

Moskauer Menschenrechtler prangerten die Rechtlosigkeit im Nordkaukasus an. Die Leichen des Ehepaars seien in einem Vorort von Grosny gefunden worden, sagte der Leiter des inzwischen geschlossenen tschetschenischen Memorial-Büros, Alexander Tscherkassow. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte in einer Stellungnahme, der Mord sei ein erneuter Beleg dafür, «dass die russischen Behörden Menschen, die sich menschenrechtlich engagieren, nicht wirksam schützen». «Menschenrechtler müssen sich vogelfrei fühlen», sagte Peter Franck, Russland-Experte der deutschen Sektion von Amnesty International.

Sadulajewa hatte die regierungsunabhängige Organisation «Retten wir die Generation» geleitet, die sich seit 2001 unter anderem mit Spenden aus Deutschland und dem Kinderhilfswerk Unicef für minderjährige Opfer des Tschetschenien-Krieges einsetzt. Auch Sadulajewas Mann hatte bei der Vermittlung von medizinischer Behandlung und der Versorgung der Kinder mit Prothesen mitgewirkt. Unicef zeigte sich tief bestürzt über den Doppelmord.

Das Ehepaar war am Montag von Unbekannten in einem Auto vom Büro der Organisation weggebracht worden. Die Behörden hatten daraufhin mitgeteilt, es lägen keine Hinweise auf eine Entführung vor. Laut Augenzeugen waren beide ohne Gewaltanwendung in das Auto gestiegen. Der moskautreue Präsident Tschetscheniens, Ramsan Kadyrow, sprach von einem «zynischen, unmenschlichen und demonstrativen Morden». Nach dem Tod Estemirowas hatte er Beschuldigungen zurückgewiesen, er habe die Bluttat angeordnet.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew reagierte mit Bestürzung auf den Doppelmord und forderte eine Aufklärung des «scheußlichen Verbrechens». «Leider ist das nicht das erste Verbrechen in Tschetschenien gegen diejenigen, die einfachen Menschen mit zivilisierten Methoden helfen, ihre Rechte wahrzunehmen und Gerechtigkeit zu erfahren», sagte ein Kremlsprecher nach Angaben der Agentur Interfax am Dienstag. Medwedew habe die Generalstaatsanwaltschaft, das Innenministerium und den Geheimdienst mit den Ermittlungen beauftragt.

Steinmeier äußerte sich betroffen. «Ich bin bestürzt über die Ermordung von Sarema Sadulajewa und ihres Mannes und verurteile diese feige Tat auf das Schärfste», erklärte der Außenminister in Berlin. An die russischen Behörden appellierte er, Täter und Drahtzieher rasch zu finden und zur Verantwortung zu ziehen. Erneut mahnte Steinmeier auch die Aufklärung des Mordes an Estemirowa an.

Russische Menschenrechtler kritisierten das Versagen der kremltreuen Politiker im Nordkaukasus. Es fehle an Arbeitsplätzen, gerechten Löhnen, einer effektiven Verwaltung und Polizei sowie an unabhängiger Rechtsprechung. «Das fehlt dort alles. Und die letzten Fürsprecher des Volkes, die Menschenrechtler, werden systematisch vernichtet», sagte der Direktor des Moskauer Büros für Menschenrechte, Alexander Brod.

Konflikte / Kaukasus / Russland
11.08.2009 · 18:09 Uhr
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