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Ermordete Menschenrechtlerin beigesetzt

Natalja EstemirowaGroßansicht
Moskau (dpa) - Die von Unbekannten entführte und ermordete russische Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa ist in ihrer Heimat Tschetschenien beerdigt worden. Familienangehörige und Freunde trugen den Leichnam am Donnerstagabend bei der Stadt Gudermes im Osten der Teilrepublik nach muslimischer Tradition zu Grabe, wie die Agentur Ria Nowosti meldete. Zuvor hatten etwa 100 Menschen bei einer Trauerfeier in der Hauptstadt Grosny Abschied von der bekannten Bürgerrechtlerin genommen. Die Ermittler haben nach eigenen Angaben trotz mehrerer Zeugenaussagen noch keine heiße Spur vom Täter.

Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow wies jegliche Schuld am Tod der 50 Jahre alten Bürgerrechtlerin von sich. Für ihn habe Estemirowa keine Bedrohung dargestellt, sagte Kadyrow dem Vorsitzenden der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow. Estemirowa hatte für die Organisation gearbeitet. Unmittelbar nach ihrer Ermordung hatte Orlow den Verdacht geäußert, hinter der Bluttat stünden Kadyrow oder dessen Untergebene.

Estemirowa war am Mittwoch in Grosny entführt und einige Stunden später erschossen in der Nachbarrepublik Inguschetien gefunden worden. Die Entführung an einer Bushaltestelle hatten mehrere Passanten beobachtet. Niemand habe aber die Polizei alarmiert, da man davon ausgegangen sei, dass die Frau von Sicherheitskräften in Zivil abgeführt wurde, berichtete die Moskauer Tageszeitung «Kommersant» am Freitag unter Berufung auf Ermittler. Die zahlreichen Kontrollposten an der Grenze zwischen Tschetschenien und Inguschetien hätten die Täter wohl passieren können, weil sie über Spezialausweise verfügten. Diese könnten gefälscht gewesen sein.

Dem Zeitungsbericht zufolge gibt es Hinweise darauf, dass die Entführer ihr Opfer ursprünglich gar nicht töten wollten. Als sie jedoch auf der Fernstraße in Inguschetien eine aus anderem Grund errichtete Polizeisperre sahen, seien sie womöglich in Panik geraten und hätten Estemirowa abseits der Straße erschossen.

Das Verbrechen hatte auch im Westen Bestürzung ausgelöst. Der russische Präsident Dmitri Medwedew kündigte bei einem Deutschlandbesuch am Donnerstag an, dass man die Täter aufspüren und bestrafen werde. Frühere Verbrechen wie die Ermordung der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja 2006 und des Menschenrechtsanwalts Stanislaw Markelow Anfang 2009 sind bis heute nicht aufgeklärt. Mit beiden hatte Estemirowa zusammengearbeitet.

Konflikte / Kaukasus / Russland
17.07.2009 · 14:10 Uhr
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