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Ermittlungen nach Loveparade: 16 Verdächtige

Unglücksstelle der LoveparadeGroßansicht

Duisburg (dpa) - Ein halbes Jahr nach der Loveparade-Katastrophe gerät die Duisburger Stadtverwaltung zunehmend ins Visier der Ermittler. Die Staatsanwalt nahm Ermittlungen gegen 16 Verdächtige auf, von denen nach dpa-Informationen elf städtische Mitarbeiter sind.

Bei dem Unglück im Juli waren 21 Menschen ums Leben gekommen.

Der im Kreuzfeuer der Kritik stehende Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist aber nicht dabei, erfuhr dpa aus Justizkreisen. Auch gegen den Chef des Veranstalters Lopavent, Rainer Schaller, werde derzeit nicht ermittelt. Die Behörde wollte am Dienstag aber nicht ausschließen, dass später noch weitere Verdächtige in den Kreis der Beschuldigten einbezogen werden könnten. Namen nannte die Staatsanwaltschaft nicht.

Gegen die Verdächtigen wird laut Staatsanwaltschaft Duisburg ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet. Damit sind theoretisch Freiheitsstrafen zwischen drei und fünf Jahren möglich. Bislang hatten sich die Ermittlungen gegen unbekannt gerichtet.

Das Duisburger Stadtoberhaupt stellte sich erneut vor seine Mitarbeiter. Es seien keinerlei Amtspflichten verletzt worden. Er werde alles tun, um seine Kollegen in der Stadtverwaltung zu unterstützen, erklärte Sauerland. Nach Informationen von «Spiegel Online» sind unter den Beschuldigten der Rechts- und der Stadtentwicklungsdezernent sowie die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes und der sogenannte Crowd Manager von Lopavent sowie ein Leitender Polizeidirektor.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) wies die Hauptschuld der Stadt und Lopavent zu. Gewerkschaftschef Rainer Wendt sagte, geschlampt hätten «eindeutig Stadt und Veranstalter». «Die Beamten vor Ort haben teilweise ihr Leben aufs Spiel gesetzt.» Lopavent wollte am Abend keine Stellung nehmen, kündigte aber eine Erklärung am Mittwoch an. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) betonte: «Die Verantwortlichen müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. Auch im Interesse von Opfern und Angehörigen legen wir Wert auf eine umfassende Aufklärung.» Jäger verlangte, dass die Städte künftig bei den Genehmigungen für Veranstaltungen keine Abstriche bei den Sicherheitskonzepten zulassen dürften und sich die Veranstalter an die Auflagen halten müssten.

Vor dem Loveparade-Gelände war am 24. Juli 2010 ein qualvolles Gedränge entstanden, weil vorübergehend Zugänge und Ausgänge gesperrt wurden. 21 junge Menschen wurden zu Tode gedrückt und getrampelt. Mehrere hundert Techno-Anhänger wurden verletzt. Sie verlangen vor allem, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die für die Sicherheit zuständigen Mitarbeiter von Stadt, Ordnungskräften und Veranstalter haben allesamt eine Mitschuld für das Unglück von sich gewiesen, auch Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

«Die Feststellung eines Anfangsverdachts bedeutet nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht werden verantworten müssen», erklärte die Staatsanwaltschaft. Erst die weiteren Ermittlungen würden zeigen, ob im Einzelfall Anklage zu erheben oder das Verfahren einzustellen sei.

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp haben die Beschuldigten nun Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Wann dann gegebenenfalls Anklage erhoben wird, sei noch offen.

Das Zwischenergebnis beruht auf der Vernehmung von mehr als 2200 Zeugen und der Sichtung von Bildaufzeichnungen vom Geschehen. Wie es hieß, beschäftigt der Fall 90 Beamte.

Notfälle / Loveparade
18.01.2011 · 18:51 Uhr
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