News
 

Ermittler zu Todesflug AF 447 kommen unter Druck

Einer der zwei Flugschreiber des Unglücksflugs Air France AF 447.Großansicht

Paris (dpa) - Wenige Tage nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichts zum Todesflug AF 447 mit 228 Opfern geraten die französischen Ermittler unter Druck. Ungereimtheiten bei der Veröffentlichung der Untersuchungsergebnisse lassen Zweifel an ihrer Arbeit aufkommen.

Die Ermittler hatten einen Hinweis auf das verwirrende Verhalten der sogenannten Überzieh-Warnung («Stall-Warning») zum Zeitpunkt des Absturzes im Air-France-Cockpit wieder aus ihrem Bericht gestrichen. Die Überzieh-Warnung ist ein wichtiges Hilfsmittel an Bord, sie warnt die Piloten eindringlich vor zu langsamer Geschwindigkeit und einem damit drohenden Absturz.

Nachdem die Streichung bekanntwurde, erwägen die Ermittler nun eine Sicherheitsempfehlung, meldeten am Mittwoch französische Medien. Die Fluggesellschaft Air France hat deswegen bereits die europäische Luftfahrtbehörde AESA kontaktiert, berichtete die Wirtschaftszeitung «Les Echos».

Die Hinterbliebenen der Opfer halten die Untersuchung in einer ersten Reaktion für diskreditiert. Die Vereinigung «Entraide et Solidarité AF447» sprach von einer «Vertrauenskrise». Die Hast, mit der die Behörde die Piloten des Unglücks-Airbus als Schuldige hinstellen wolle, habe Skepsis aufkommen lassen. Ähnlich äußerte sich auch die französische Pilotengewerkschaft SNPL, die nun erwägt, sich aus der Untersuchung zurückzuziehen.

Die Flugunfallbehörde wies die Kritik zurück. Der Hinweis auf mögliche Probleme der Überzieh-Warnung wäre in dem Zwischenbericht noch verfrüht gewesen, teilte die Behörde mit. Bei den weiteren Ermittlungen werde man aber noch genau prüfen, ob es technische Probleme bei diesem Hilfsmittel im Cockpit gegeben habe.

Vom französischen Verkehrsministerium, dem die BEA untersteht, gab es Lob für die Ermittler. «Die Polemik wirft Zweifel auf eine Untersuchung, die exemplarisch ist», sagte der zuständige Staatssekretär Thierry Mariani der Nachrichtenagentur AFP. Die Arbeiten der BEA seien überaus transparent gewesen: «Nie zuvor hat es eine derart transparente Untersuchung gegeben: Sie wurde gefilmt, sie spielte sich unter der Kontrolle der Justiz ab, in Gegenwart von brasilianischen oder amerikanischen Ermittlern».

Kurz vor dem Unglück über dem Atlantik im Jahr 2009 mit 228 Toten - darunter 28 Deutschen - hatte die Überzieh-Warnung eine knappe Minute lang akustischen Alarm gegeben. Sie war verstummt, nachdem der Airbus fürs Fliegen zu langsam geworden war, also schon durchsackte. Später dann schaltete sie sich mehrmals kurz wieder ein. Der Leiter der französischen Flugunfallbehörde BEA, Jean-Paul Troadec, hatte bei der Vorstellung eines dritten Zwischenberichts zu dem Unglück eingeräumt, dass der Alarm die Besatzung verwirrt haben könnte. Auch Air France hatte auf das verwirrende Verhalten der Überzieh-Warnung hingewiesen.

In ihrem Bericht hatten die Ermittler das Verhalten der Piloten des abgestürzten Airbus A330-200 infrage gestellt, die nicht angemessen auf die Situation reagiert hatten. Die BEA hatte mehrere Sicherheitsempfehlungen herausgegeben. Sie bezogen sich auf den Flugbetrieb, die Flugzeugzulassung und die Flugschreiber - nicht aber auf die Überzieh-Warnung.

Luftverkehr / Unfälle / Frankreich
03.08.2011 · 17:55 Uhr
[0 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen