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Erleichterung: Plattform-Feuer setzt kein Öl frei

Der Unfall auf der Plattform «Vermillion 380 A» ereignete sich etwa 140 Kilometer von der Küste Louisianas.Großansicht

Washington/London (dpa) - Erleichterung am Golf von Mexiko: Einen Tag nach einem neuen Unfall auf einer Ölplattform gab es keine Hinweise darauf, dass Erdöl ins Meer fließt. Die Unfallursache blieb zunächst unklar.

Die zuständige US-Behörde für Ozean-Energieförderung kündigte eine Untersuchung an. Der Kongress in Washington forderte von der Plattform-Betreiberfirma Mariner Energy eine Aufklärung.

Trotz des offenbar glimpflichen Ausgangs entbrannte eine Debatte über die Risiken der Ölförderung auch in flachen Gewässern, wo die Mariner-Plattform operierte. Die «Deepwater Horizon», deren Explosion Ende April die bisher schlimmste Ölpest in der US-Geschichte auslöste, hatte dagegen in tiefem Wasser nach Öl gebohrt.

Das Feuer am Donnerstag entstand nach Angaben des Unternehmens mit Sitz in Houston (Texas) bei Malerarbeiten in der Nähe eines Öltanks auf der Plattform. Wenige Stunden danach hatte die US-Küstenwache von einem etwa 1,5 Kilometer langen Ölfilm auf dem Wasser berichtet. Das hatte die Sorge ausgelöst, es könnte eine neue Ölpest geben - wenn auch vermutlich weitaus weniger katastrophal als die nach der Explosion der «Deepwater Horizon».

Später korrigierte sich die Küstenwache: Bei Untersuchungen von Schiffen und Booten aus hätten sich keine «sichtbaren Zeichen» von Öl gefunden, sagte ein Sprecher am Donnerstagabend (Ortszeit). Die Unfallstelle werde aber weiter beobachtet.

Das Feuer wurde nach mehreren Stunden gelöscht. Alle 13 Arbeiter auf der Plattform hatten sich nach der Explosion ins Wasser gerettet. Sie wurden zwei Stunden darauf geborgen und vorsorglich in ein Krankenhaus geflogen. Abgesehen von leichtem Sonnenbrand im Gesicht seien sie unversehrt, hieß es am Freitag.

Mit der «Vermillion 380 A» wurden Rohöl und Erdgas gefördert, die sieben Leitungen waren nach Angaben von Mariner Energy aber vor dem Feuer geschlossen - warum, blieb zunächst unklar. Der Unfall geschah etwa 140 Kilometer vor der Küste Louisianas - und gut 300 Kilometer von der Stelle entfernt, an der am 20. April die «Deepwater Horizon» des britischen BP-Konzerns in Flammen aufgegangen war.

Damals starben elf Menschen, schätzungsweise 660 000 Tonnen Öl strömten ins Wasser, bevor das Leck schließlich abgedichtet werden konnte. BP bereitet noch die endgültige Versiegelung des Öl- Reservoirs etwa 4000 Meter tief im Meeresboden vor.

Umweltschützer werteten den neuen Vorfall vom Donnerstag als Zeichen dafür, dass nicht nur die Tiefsee-Bohrungen ein gewaltiges Risiko darstellten. So warf das Zentrum für Biologische Vielfalt (Center for Biological Diversity) der Regierung von Präsident Barack Obama vor, sie habe nach der «Deepwater Horizon»-Katastrophe so getan, als seien Arbeiten in flachem Wasser gefahrlos. Drei führende Demokraten im Kongress erklärten, dies zeige, «dass noch viel zu tun ist, um Amerikas Arbeiter und Gewässer vor Risiken zu schützen».

Obama hatte nach Beginn der Ölkastastrophe ein Moratorium für Tiefseebohrungen verhängt, aber nicht für die Ölförderung in flachem Wasser. Die Ölindustrie, aber auch um ihre berufliche Existenz bangende Bewohner der Golfküste hatten Obamas Schritt als zu weitgehend kritisiert.

Experten wiesen unterdessen darauf hin, dass es wenig Parallelen zwischen dem neuen Unfall und der «Deepwater Horizon»-Katastrophe gebe. So seien Produktionsplattformen wie die «Vermillion» im Meeresboden verankert, sie «säßen» über bereits gebohrten Löchern und Quellen mit stabilem Druck.

Es gebe im Fall «Vermillion» wohl keine Hinweise darauf, dass das Feuer in irgendeiner Weise direkt mit der Öl- und Gasförderung zusammenhänge. Darüber hinaus könne eine Ölpest in flachem Wasser auch weitaus leichter bekämpft werden als im Fall der «Deepwater Horizon» mit einem Leck in 1500 Meter Tiefe, hieß es weiter.

Mittlerweile sind die Kosten für den BP-Konzern im Zuge der Ölkatastrophe auf acht Milliarden Dollar (6,2 Milliarden Euro) gestiegen. In der Summe seien die bisherigen Ausgaben für den Kampf gegen die Ölpest sowie für bereits gezahlte Entschädigungen enthalten, teilte das Unternehmen am Freitag in London mit. Nachdem der Ölstrom aus dem Leck im Juli gestoppt worden sei, verlaufe die Sicherung der Quelle derzeit nach Plan. Vermutlich Mitte September soll das Loch dauerhaft versiegelt sein.

BP Mitteilung

Notfälle / USA
03.09.2010 · 18:03 Uhr
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