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Erika Steinbach: In Polen ein rotes Tuch

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Berlin (dpa) - Das «Zentrum der Vertreibungen» ist so etwas wie ihr Lebenswerk: Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), hat jahrelang für eine Stätte der Erinnerung gekämpft. Für Polen ist die CDU-Bundestagsabgeordnete ein rotes Tuch.

Ihr wird auch nach 20 Jahren nicht verziehen, dass sie damals im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als Grenze zu Polen stimmte. Zudem begleitete sie den EU-Beitritt Polens mit unverhohlenen Vorbehalten.

Nun wehrt sich Warschau mit Händen und Füßen dagegen, dass Steinbach in den Beirat der Vertriebenen-Stiftung «Flucht, Vertreibung, Versöhnung» einzieht. Die polnische Regierung brachte in diesem Konflikt FDP-Außenminister Guido Westerwelle auf ihre Seite, wie schon dessen Vorgänger. Die Rücksicht Westerwelles auf die Befindlichkeiten in Polen belastet wiederum das Klima in der schwarz- gelben Koalition. Die Union, und hier wiederum vor allem die CSU, unterstützt Steinbach. CDU und CSU haben traditionell eine große Klientel unter den Vertriebenen.

Steinbach steht seit 1998 an der Spitze des BdV. Sie ist die erste Angehörige der «Kindergeneration» an der Verbandsspitze. Als BdV- Präsidentin setzte sie sich durchaus von früheren Vertriebenen- Funktionären ab, die sich mit den verlorenen Ostgebieten nicht abfinden wollten. «Ohne Hitler hätte es keine Vertreibungen gegeben», betont Steinbach immer wieder. Andererseits macht sie mit harschen Äußerungen Stimmung. Ihre Forderungen nach einem Ausgleich für das Unrecht der Vertreibung stießen in Polen und Tschechien auf massive Kritik. 2004 zeigte sie sich zum Verzicht auf materielle Entschädigung deutscher Heimatvertriebener bereit, hielt aber am «moralischen Anspruch» fest.

Steinbach wurde 1943 in Rahmel (heute Rumia) nördlich von Danzig im damals von deutschen Truppen besetzten Polen geboren. In Polen wird ihr vorgehalten, sie sei damit keine echte Vertriebene aus den damals rechtmäßig zu Deutschland gehörenden Ostgebieten. Ihr Vater sei als Wehrmachtssoldat nur zufällig dort stationiert gewesen, ihre Mutter ebenfalls erst Anfang der 1940er Jahre nach Westpreußen gelangt. Steinbach sagt: «Heimat ist für mich ein unerfülltes Gefühl, das niemals eine Chance hatte zu wachsen.» Nach dem Krieg wuchs sie in Schleswig-Holstein und Hessen auf. Die verheiratete Informatikerin und Verwaltungswirtschaftlerin ist seit 1990 Abgeordnete im Bundestag.

Geschichte / Vertriebene
05.01.2010 · 22:26 Uhr
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